


Deutsch issues
Feb
12
(Aus einem Vortrag von Swami Tirtha, 05.01.2019 abends, Sofia)
(Fortsetzung vom vorherigen Freitag)
In der Nähe eines heiligen Menschen verändern sich die Dimensionen. Als wir mit Gurudev im selben Ashram lebten, konnte ich schon von der Bushaltestelle aus spüren, ob er zu Hause war oder nicht. Und wenn man voller Zweifel und Fragen dort ankommt und sein Zimmer betritt, sind alle Fragen, alle Zweifel verschwunden. Man genießt einfach seine Nähe. Man spürt diesen ultimativen Zufluchtsort, nach dem wir uns alle sehnen. Keine Worte, keine Erklärungen nötig. Es ist keine Frage der Philosophie. Es geht um ein tieferes Verständnis, von Herz zu Herz.
Dann kam der Moment der Trennung. Es ist ein bitterer Moment. Aber eigentlich ist dies ein Eintritt in die Ewigkeit. Stellt euch vor: Es gibt keine Chance mehr in diesem Leben, dass ihr dem wichtigsten Menschen in eurem Leben begegnet. Das ist kein leichter Moment. Aber es gibt einen Ausweg. Wenn wir uns nicht mit der körperlichen Anwesenheit unseres Meisters verbinden können, können wir uns immer noch mit seiner spirituellen Gegenwart verbinden. Als ich die Nachricht von seinem Verschwinden hörte, musste ich zwei Tage später einen Vortrag halten – über die Ewigkeit der Seele, über die Anwendung spiritueller Praktiken. Ich glaube, das war einer der schwierigsten Vorträge meines Lebens. Auf dem Weg dorthin weinte ich auf der Straße. Aber als ich ankam, musste ich mich zusammenreißen und einen ordentlichen Vortrag halten. Denn ich bin sicher, dass er sich nicht mit ein paar oberflächlichen Tränen zufriedengegeben hätte. Er sagte: „Selbst wenn du dich im tiefsten Zustand deines Bewusstseins befindest, musst du einen ordentlichen Vortrag halten.“
Darf ich dir noch eine Geschichte erzählen? Ihr wisst ja, ein Schüler soll bescheiden sein, nicht wahr? Als Gurudev mich einmal mitnahm, fuhren wir in seinem Auto, und er sagte zu mir: „Fahr in diese Stadt und halte dort einen Vortrag.“ Ich versuchte, bescheiden zu sein, und sagte: „Ach, Gurudev, ich gehe nicht gern auf die Bühne.“ Er schwieg einen Moment, und da spürte ich: Vielleicht stimmt etwas nicht. Er fuhr weiter und starrte mich dabei an, also verstand ich: oh, ein großer Fehler. Er war ein bemerkenswerter Mensch, und als er schwieg, war das der schwierigste Moment. Dann sagte er: „Ich habe dir nicht gesagt, dass du auf die Bühne gehen sollst, sondern dass du einen Vortrag halten sollst.“ Er ließ nie einen Moment aus und die Möglichkeit, dir einen Ratschlag zu geben…Um die falsche Bescheidenheit zu durchbrechen und dir zu zeigen, was wahre Hingabe bedeutet – sich selbst zu vergessen. Nicht du bist wichtig, sondern der Dienst – der ist wichtig.
Ich werde keine weiteren Geschichten erzählen. Aber seitdem ist er der wichtigste Mensch in meinem Leben. Seine Ideale sind mir ebenfalls wichtig geworden. Und ich hoffe, dass seine Ideale auch für euch wichtig werden.
(Fortsetzung folgt)
Feb
5
(Aus einem Vortrag von Swami Tirtha, 05.01.2019 abends, Sofia)
(Fortsetzung vom vorherigen Freitag)
Wir Menschen bestehen aus Beziehungen. Der Mensch ist ein soziales Wesen. Wir sind sehr abhängig von unseren Verbindungen, von unseren Beziehungen. Man sagt, es kommt nicht darauf an was man weiß, sondern wen man kennt. Und all diejenigen, die im kommunistischen System gelebt haben, verstehen das sehr gut. Es spielte keine Rolle, was man wusste und was man nicht wusste, sondern wen man kannte, welche Verbindungen man hatte. Und das gilt tatsächlich auch im spirituellen Sinne. Ich sage nicht, dass dies spiritueller Kommunismus ist, aber unser Bewusstsein und unser Wissen sind begrenzt, nicht wahr? Wir können nicht alles wissen. Es ist unmöglich! Du bist nicht der hellste Kopf im Universum. Aber wenn ihr die richtige Person kennt, seid ihr nicht von der Erlösung ausgeschlossen. Wenn ihr mit Shri Guru verbunden seid, seid ihr erlöst. Nicht einfach nur mit einem Guru, sondern mit Shri Guru. Shri Guru ist der göttliche Aspekt.
Tatsächlich ist der spirituelle Meister ein direkter Bote des Höchsten. Und wie nennt man einen Boten im Christentum? Engel, richtig? Engel. Unser Meister ist also wie ein Engel für uns. Ich erinnere mich noch gut an den ersten Besuch meines spirituellen Meisters bei mir zu Hause. Damals wohnte ich bei meinen Eltern. Es war eine heikle Zeit, deshalb mussten wir gewisse Sicherheitsvorkehrungen treffen. Er war eine sehr wichtige Person für uns, und deshalb mussten wir alle möglichen Sicherheitsregeln und -vorkehrungen für ihn treffen. Zwei Wochen lang wurden die Vorbereitungen getroffen: wann, wie und unter welchen Bedingungen er zu mir kommen sollte. Meine Eltern wurden angewiesen in ihrem Zimmer zu bleiben. Und dann war es soweit, die Glocke klingelte… Und er trat ein. Ganz in Weiß. Ganz in Weiß! Und ich hatte den Eindruck: Ein Engel kommt zu mir. Dieses Bild begleitet mich noch immer nach all den Jahren.
Was erwartet man von einem Engel? Ein paar Segnungen, nicht wahr? Aber dieser Engel kam mit einigen Fragen. Damals bestand meine Aufgabe darin, einige heilige Schriften aus dem Englischen ins Ungarische zu übersetzen. Und dann fragte mein Engel: „Wie läuft die Übersetzung?“ Ich sagte: „Nun, das ist das Maximum, was ich bis jetzt übersetzt habe.“ Und er sagte: „Nein, das ist nicht genug.“ Da verstand ich, dass dies ein anspruchsvoller Engel ist.
Die Begegnung mit einem außergewöhnlichen Menschen hat also einen großen Einfluss auf das eigene Leben. Wie ich euch schon sagte, sind wir Menschen aus Beziehungen zusammengesetzt. Wir alle sind zum Beispiel Söhne oder Töchter unserer Väter. Diese Beziehung wird sich nie ändern. Selbst Asketen werden von einer Mutter geboren. Auch das wird sich nie ändern. Freundschaften hingegen verändern sich. Liebende verändern sich. Man sagt, Männer vergessen ihre Geliebten leicht, aber ihre Freunde vergessen sie nie. Und Frauen vergessen ihre Freunde leicht, aber ihre Geliebten nie. Seht ihr, wir bestehen aus Beziehungen. Manche halten ein Leben lang. Manche nur wenige Augenblicke. Aber die spirituelle Beziehung zu unserem göttlichen Boten, zu unserem göttlichen Meister, hält ewig.
Und wer hat den wichtigsten und bedeutendsten Einfluss in unserem Leben? Das ist unser göttlicher Meister. Denn diese Verbindung betrifft nicht nur den Körper oder die körperliche Genetik. Sie ist nicht nur eine emotionale Beziehung wie eine Freundschaft oder eine Liebesbeziehung. Es ist keine theoretische Übereinstimmung in bestimmten Punkten. Nein, es ist eine Verbindung von Seele zu Seele, von Herz zu Herz, von Geist zu Geist. Etwas, das sich niemals ändern wird. Alles um uns herum verändert sich, nicht wahr? Manchmal sagen wir „leider“, manchmal „zum Glück“. Dennoch brauchen wir feste Punkte in unserem Leben. Und wenn unsere Hingabe an unsere spirituellen Führer, Lehrer und Meister der feste Ankerpunkt in unserem Leben ist, dann können wir uns glücklich schätzen.
(Fortsetzung folgt)
(Aus einem Vortrag von Swami Tirtha, 05.01.2019 abends, Sofia)
(Fortsetzung vom vorherigen Freitag)
Shiva – dieser Name bedeutet „Segen“. Shiva ist für vieles bekannt. Er ist eine sehr heldenhafte Gestalt. Er ist ein schöner Mann. Und er ist die Inspiration für die Künste. Er ist der Halbgott des Yoga. Auch ist er ein Asket. Und gleichzeitig ein großer Liebhabe. Eine sehr seltsame Persönlichkeit! Wie können wir diesen Segen und diesen glückseligen Charakter Shivas verstehen?
Der heilige Ganges berührt die Erde durch Shivas Kopf. Er entspringt den Himmelsrichtungen, fließt dann auf sein Haupt, kommt herab und erreicht uns. Warum? Was ist die Bedeutung dahinter? Weil dieser heilige Fluss, dieses heilige Wasser so kraftvoll ist, dass es, wenn es die Erde direkt berühren würde, diese zerstören würde. Es bestand die Notwendigkeit, die Erde vor der gewaltigen Kraft des himmlischen Ganges zu schützen. Deshalb war Shiva, der sehr mächtig ist, bereit, dieses heilige Wasser auf seinem Haupt zu empfangen, um die Erde zu beschützen. Und dann kommt es von seinem Kopf zu uns herab.
Natürlich hat Shiva viele, viele sehr nützliche Beschäftigungen. Zum Beispiel ist er für die Zerstörung des Universums verantwortlich. Interessant, nicht wahr? Ein großer Yogi und gleichzeitig für die Zerstörung des Universums verantwortlich – wie kann das sein? Yoga dient doch dazu, etwas Schönes zu erschaffen, oder? Und dann zerstört er etwas? Aber wir müssen es richtig verstehen: Shiva ist destruktiv auf eine konstruktive Weise. Er zerstört eine Phase des Universums, damit es in einer brandneuen Phase neu erschaffen werden kann. Zerstörung also – um konstruktiv zu sein. Normalerweise sind wir auf diesem Planeten Erde im Alltag an konstruktive Theorien gewöhnt. Wir sind darauf trainiert, konstruktiv zu sein. Evolution zum Beispiel. Oder wirtschaftlicher Fortschritt, nicht wahr? Aber diese Welt ist konstruktiv auf destruktive Weise. Unser Fortschritt bedeutet einen Schritt näher zum Tod. Unser Leben, die materielle Erfahrung, ist also konstruktiv auf destruktive Weise. Shiva hingegen ist das Gegenteil – er ist destruktiv auf konstruktive Weise. Versteht ihr den Unterschied? Um ein neues Kapitel zu beginnen, muss man das vorherige Kapitel abschließen. Du musst es beenden.
Und wie wird Shiva die Welt beenden? Mit einem Tanz! Welch poetische Art, diese Welt zu beenden! In Indien tanzen die Verehrer gern. Man könnte sagen, dass auch die Vaishnavas tanzen. Wir tanzen glücklich auf dem sinkenden Schiff der materiellen Existenz. Aber wenigstens tanzen wir. Also eine poetische Art, die Welt zu beenden.
Shiva ist auch ein Beschützer des Yoga. Und im Yoga gilt Shiva als die höchste Bewusstseinsebene, der befreite Geisteszustand. So sind wir wieder beim Bewusstsein angelangt. Wenn wir diesen befreiten Geisteszustand erreichen wollen, müssen wir etwas tun. Und jemand muss uns beibringen, wie. Daher ist eine weitere symbolische Bedeutung Shivas die eines universellen spirituellen Meisters – jemand, der bereits die Erleuchtung erlangt hat und daher auch anderen zur Erleuchtung verhelfen kann. „Guru“ bedeutet „derjenige, der die Dunkelheit vertreibt“ – ein solches Licht in unserem Leben, das die Dunkelheit der Unwissenheit vertreibt.
Und dieses destruktive Merkmal – ein Kapitel zu vollenden, die geschaffene Welt zu beenden, mit der Schöpfung abzuschließen – ist ebenfalls mit diesem befreiten Bewusstseinszustand verbunden. Denn wenn wir die vollständige Befreiung erlangen, endet diese Welt für uns – mit all den Schwierigkeiten, die wir wahrgenommen haben, mit all den Einschränkungen, die wir durchlebt haben, mit all den Hoffnungen und allen Enttäuschungen. Dann ist unser Bewusstsein befreit, frei von Verstrickungen. Das ist es, was wir brauchen, das ist es, wonach wir suchen. Deshalb sollten wir uns unter den Schutz des göttlichen Lichts begeben. Und seid klug; kommt nicht nur ab und zu und geht dann wieder in die Dunkelheit zurück. Kommt und bleibt – das ist die kluge Variante.
(Fortsetzung folgt)
Jan
22
(Aus einem Vortrag von Swami Tirtha, 05.01.2019 abends, Sofia)
Om namo bhagavate vasudevaya – dieses Mantra ist eines der wichtigsten Gebete unserer Zeit. Mantra bedeutet zunächst einmal „Gesang“ – etwas, das gesungen, geübt und wiederholt werden soll. Es setzt sich aus zwei Wörtern zusammen: Manas und Trayate. Manas ist die mentale Kapazität des Menschen. Oder anders gesagt: Es ist das Bewusstsein, das wir alle besitzen. Es ist ein sehr wichtiger Bestandteil des Menschseins. Können Sie ohne ein Bein leben? Es ist schwierig, aber möglich. Können Sie ohne eine Hand leben? Es ist schwierig, aber möglich. Können Sie ohne Ihren Kopf leben? Schwierig und unmöglich. Das Bewusstsein, das in den höheren Chakren verankert ist, ist also wichtig. Es ist das, was uns zu Menschen macht, nicht wahr? Wir alle besitzen ein gewisses Maß an Bewusstsein. Doch in den meisten Fällen ist unser Bewusstsein bedingt, kontrolliert, steht unter Druck. Im Allgemeinen können wir sagen, dass unser Bewusstsein nicht frei ist, nicht befreit. Aber das Mantra hilft, unser Bewusstsein zu befreien.
Der zweite Teil dieses Wortes, „tra“, bedeutet „befreien“. Manas trayate – den Geist befreien, das Bewusstsein befreien. Also, probieren Sie es aus! Versuchen Sie, diese spirituelle Praxis kennenzulernen. Und dieses besondere Mantra wirkt nach ganz bestimmten Prinzipien, denn es ist ein Schutzmantra. Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber ich denke, wir alle brauchen Schutz. Es ist wichtig, sich beschützt zu fühlen. Erinnern Sie sich an Momente aus Ihrer Kindheit, in denen Ihnen der Schutz Ihrer Eltern gefehlt hat? Als Sie sich allein gelassen, ohne Geborgenheit, entfremdet fühlten? Das ist ein sehr verzweifeltes Gefühl. Aber im Grunde ist dies nicht nur ein verzweifeltes Gefühl eines Kindes, sondern ein verzweifeltes Gefühl der Seele. Denn leider sind wir irgendwie aus dem Himmel verbannt. Wir haben diesen Schutz verloren, dieses Gefühl der Geborgenheit. Deshalb ist das ganze menschliche Leben eine Suche. Stimmen Sie dem zu? Ständig suchen wir nach etwas. Oft sagen die Leute: „Ich bin offen und suche“, richtig? Aber was bedeutet das? Es bedeutet, dass man es noch nicht gefunden hat. Geben Sie sich also nicht damit zufrieden, nur ein offenherziger suchender zu sein. Werden Sie zum Praktizierenden – das ist eine höhere Stufe.
Mantras helfen uns, unter diesen göttlichen Schutz zu gelangen – wenn wir unseren Weg zurück nach Hause finden können, zurück zu Gott, um dieses ewige Heimatgefühl, diese Geborgenheit zu genießen. Das ist es, nach dem wir suchen.
Dieses Mantra beginnt mit Om – der universellen kosmischen Schwingung. Dieser Klang hat die Kraft, aus Chaos den Kosmos zu erschaffen. Und manchmal spüren wir, dass in unserem Bewusstsein auch Chaos herrscht. Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber mir geht es oft so. Etwas ist nicht in Ordnung. Wenn Sie Ordnung in ihr Bewusstsein bringen möchten, chanten Sie das Om. Denken Sie daran, es kann Chaos in Kosmos verwandeln.
Klänge haben eine sehr starke Wirkung. Wenn Sie jemand mit beleidigenden Worten anspricht, ist die Wirkung offensichtlich, nicht wahr? Wenn wir also den spirituellen Klang in Resonanz bringen, wirkt er sich ebenfalls auf unser Bewusstsein aus. Om wird Ordnung in ihrem Bewusstsein schaffen.
Namaha ist das zweite Wort. Es bedeutet „nicht für mich“. Es ist ganz einfach. Oft tun wir Dinge, um uns zu vergnügen. Wir bringen Opfer, wir leisten Dienste – um glücklicher und zufriedener zu sein. Doch die Kunst der spirituellen Wissenschaft besteht darin, dass wenn man gibt, man auch empfängt. Wenn Sie also empfangen möchten, geben Sie zuerst. Dann werden Sie den Wunsch nach mehr vergessen. Ihre Motivation wird gestärkt. Namaha – es ist „nicht für mich“, es ist für dich, mein Herr.
Bhagavate – Bhagavat bedeutet der Höchste Herr, Gott, das Höchste Wesen, das voller göttlicher Eigenschaften ist. Und Vasudev, das letzte Wort dieses Mantras, ist das besondere Merkmal des Höchsten, das diesen absolut überlegenen Bewusstseinszustand bezeichnet.
Wir begannen damit, unser Bewusstsein zu befreien. Und wie können wir das am besten und direktesten erreichen? Indem wir unser Bewusstsein mit dem höchsten Bewusstsein verbinden. Wenn ihr allein seid, ist euer Wissen begrenzt. Aber wenn ihr mit dem höchsten Bewusstsein verbunden seid, ist euer Wissen unbegrenzt. Wenn Sie also alles wissen wollen, dann verbinden Sie sich mit dem einen Wesen, das alles weiß. Wir mögen gut informierte Menschen, nicht wahr? Aber selbst das Wissen des bestinformierten Menschen ist begrenzt. Lasst uns nach jemandem suchen, dessen Wissen, dessen Bewusstsein nicht begrenzt ist. Verbinden Sie sich mit Ihm, und dann werden Sie alles richtig verstehen. Ziel ist es, unser Bewusstsein zu befreien – ein vollständiges und perfektes Verständnis von uns selbst, der Welt und dem Sinn des Lebens zu erlangen.
(Fortsetzung folgt)
(Aus einem Vortrag von Swami Tirtha, 05.01.2019, morgens, Sofia)
(Fortsetzung vom vorherigen Freitag)
Manchmal scheitern wir. Wir kommen voller Begeisterung, versuchen unser Bestes zu geben – und scheitern. Wir gehen nach Hause. Wir sagen: „Ach, das spirituelle Leben ist nichts für mich. Es hat nicht funktioniert.“ Und vielleicht kehrt ihr in diesem Leben nicht mehr zurück, das ist möglich. Aber ihr werdet es nie vergessen. Deine Seele wird es nie vergessen. Und selbst wenn ihr nur einen kleinen Schritt getan habt, ist er nie verloren. Selbst wenn ihr euren nächsten Schritte nicht macht, ist dieser erste Schritt nie verloren. Es ist schmerzhaft! Zu sehen, dass jemand im spirituellen Leben nicht glücklich ist – das ist sehr schmerzhaft. Aber zu sehen, dass andere in ihrem spirituellen Leben glücklicher sind – das ist belebend.
Wisst ihr, ich habe einen spirituellen Bruder. Immer wenn ich sein Beispiel beobachte, kommen sehr ambivalente Gefühle in mir hoch. Ich war immer sehr neidisch auf ihn und wütend. Und gleichzeitig freute ich mich über seine Gesellschaft. Darf ich euch sagen, warum? Weil er in der Hingabe verschmolz. Er genoss seinen Glauben. Er benahm sich wie ein Junge – fröhlich und glücklich, rannte herum und sang unter der Dusche usw. Diese natürliche Lebensfreude spiegelte sich immer in seinen Augen wider. Und ich hatte das nicht, deshalb war ich sehr neidisch. Wie kann es sein, dass er immer so fröhlich ist und ich hart arbeite und nicht so fröhlich bin? Aber gleichzeitig war es so inspirierend, mit ihm zusammen zu sein. Er ist für mich ein Vorbild an Glauben, an reinem Glauben. Ich möchte seinem Beispiel folgen. Ich betrachte ihn als meinen spirituellen Mentor. Nehmen wir also die guten Beispiele – jene, die in den Wellen hingebungsvoller Freude schwimmen.
Was immer wir verlieren, ist nicht das Wahre. Mit Gewalt können wir die höheren Sphären der Wirklichkeit nicht erreichen. Es gibt im Grunde drei Hauptpraktiken der spirituellen Reinigung. Die eine ist Tapas, die andere Jnana und die dritte Bhakti. Entsagung macht einen in den meisten Fällen verbittert. Denn man will, aber man kann nicht, man will, aber es ist einem verboten – dieser Kampf macht einen verbittert. Wissen? Wissen ist etwas, das man verliert. Ein wenig Zeit, und dann ist alles Wissen verschwunden. Und im Allgemeinen macht uns Wissen stumpf. Man sagt auch: „Wer viel weiß, hasst viel.“ Es ist also etwas gefährlich – zu viel Wissen.
Wenn also Entsagung einen verbittert, wenn Wissen einen dumm macht, was bleibt dann übrig? Die Praktiken der Zuneigung bleiben. Aber das ist eine sehr geheime Kunst. Die Kunst der Liebe, die Schule der Liebe ist eine sehr sensible, sehr feine Schule. Ein wenig Input und eine sehr große Wirkung. Ein kleiner Fehler – großes Problem. Aber auch ein kleiner Beitrag – großes Ergebnis.
Natürlich war ich sehr schockiert, als ich hörte, dass ein Anhänger gegangen war. Wie konnte das sein? Wir hatten den Weg zum ewigen Glück gefunden, den vollkommenen spirituellen Pfad usw. – wie kann es sein, dass du gehst?! Es ist ein plötzlicher Abschied. Ich verstand es nicht. Es machte mir Angst. Aber dann musste ich die ganze Situation überdenken. Und ich möchte nicht trauern, weil jemand gegangen ist, sondern ich möchte glücklich sein, weil jemand Zeit mit uns, Zeit mit Krishna verbracht hat. Es ist nur eine Frage der Verhältnisse. Und es heißt: „lava matra sadhu-sange sarva-siddhi hoy [1]“ – schon für einen kurzen Augenblick in der Gemeinschaft reiner Gottgeweihter kann man alle Vollkommenheit erlangen. Daher ist der Wert einer kurzen Zeit spiritueller Verbundenheit viel höher als der von vergeudeten Leben. Doch dafür müssen wir die Situation von der anderen Seite betrachten, nicht von dieser.
Und noch etwas: Wenn wir wirklich glauben, dass Krishna der Beschützer seiner Gottgeweihten ist, wird er Sie nicht im Stich lassen. Selbst wenn sie Ihn aufgeben wollen. Manchmal glaube ich fest daran, dass Krishna bestimmte Gottgeweihte auf besondere Weise führt und für sie sorgt. Vielleicht prüft Er uns, indem er sich uns nicht zeigt. Andere Gottgeweihte mag er auf noch schwierigere Weise prüfen – indem er ihnen sehr hohe und angesehene Positionen verleiht. Wenn man ein weltberühmter Prediger wird, ist das eine große Herausforderung. Aber Krishna wird sich um seine Gottgeweihten kümmern. Und vielleicht wird Er uns alle durch die Höhen und Tiefen des Lebens führen. Aber ich glaube fest daran, dass Er ein gütiger Herr ist, der einen treuen Diener niemals aufgibt. „Gepriesen sei der Herr, der seinen Diener niemals aufgibt, und gepriesen sei der Diener, der seinen Herrn niemals aufgibt.“[2]
Frage: Und was ist mit den schlechten Dienern? Kümmert sich der gute Herr auch um sie?
Swami Tirtha: Nun, es gibt nur zwei Arten von Menschen – bhakta und zukünftige bhakta. Und es gibt nur drei Arten von Anhängern – gute, bessere und die besten. Daher gibt es keine schlechten Diener, um die man sich kümmern müsste.
1. Chaitanya Charitamrita, Madhya 22.54
2. Chaitanya Charitamrita, Antya 4.46
(Aus einem Vortrag von Swami Tirtha, 05.01.2019, morgens, Sofia)
(Fortsetzung vom vorherigen Freitag)
Frage: Ich möchte Sie etwas fragen, worüber Sie gestern gesprochen haben. Es ging um die Liebe – dass sie kommt und geht. Die meisten von uns haben das selbst erlebt. Göttliche Liebe hingegen, so sagten Sie, vergeht nie, wenn sie kommt. Aber ich habe einige Geschichten gehört und einige Bhaktas gesehen, die sich abgewandt haben, sie sind einfach verschwunden. Meine zweite Frage betrifft die Vollkommenheit: Sie sprachen von drei Wegen zur Vollkommenheit und dass unser Weg hauptsächlich durch Kripa, Gnade, führt. Und ich möchte Sie fragen, was Sadhana betrifft. Kann es zu viel Sadhana geben, sodass wir uns abwenden? Denn ich habe mit einigen Bhaktas gesprochen, und einige von ihnen haben mir Beispiele genannt – jemand ist so hingebungsvoll und wird immer müder und verschwindet dann einfach. Denn verschiedene Bhaktas teilen manchmal ihre Erfahrungen. Prabhupad sagte beispielsweise zu einem Anhänger: „Wenn du es tust, entwickelst du Liebe.“ Aber können wir es auch übertreiben, ohne vorbereitet zu sein, Sadhana ohne Liebe praktizieren und dadurch das Gegenteil erreichen? Zum Beispiel, dass wir müde werden und uns zurückziehen?
Swami Tirtha: Oh, so viele Fragen. Fangen wir von vorne an. Ich denke, im Grunde kreisen deine beiden Fragen um dasselbe Problem: ob wir etwas haben oder nicht. Spirituelle Errungenschaften sind so fein, so verborgen, dass es sehr, sehr schwierig ist, sie mit den uns zur Verfügung stehenden Mitteln zu messen. Aufgrund unseres materiellen Lebens und unserer Prägung – im Studium, in diesem Wettbewerbsgeist – wollen wir Dinge und Errungenschaften immer messen. Die Menschen veranstalten Olympische Spiele, um die Leistungen zu messen. Das ist übrigens ein völliger Fehlschlag, es ist ein Geschäft, kein Sport mehr. Es ist Chemie und Wirtschaft – wie man mehr Geld verdient. Wenn eure nationale Chemie der Aufsicht voraus ist, dann können sie jene Chemikalien erfinden, die euch unbemerkt schneller laufen lassen. Das hat also nichts mit echtem Sport zu tun. Und deshalb mein bescheidener Vorschlag: Wenn wir uns verbessern wollen, lasst uns rausgehen und spazieren, laufen oder ringen, ohne diesen ganzen Kommerz, und dann den Fernseher abschalten, sobald er anfängt, das als Sportveranstaltung zu vermarkten. Komm schon, das ist doch alles nur Show!
Entschuldigung, ich bin etwas emotional, denn Illusionen rauben uns alle unsere besten Ideale, sie verfälschen sie. Aber wir sind trainiert, Dinge zu messen. Und was bedeutet Maya? Wenn man versucht, Gott zu messen – das ist Illusion. Wenn wir also versuchen, unsere spirituellen Errungenschaften zu messen – wie viele Runden ich gechantet habe, wie viele Bücher ich verkauft habe, wie viel ich nicht weiß was – das ist dieser olympische Geist. Er reicht nicht aus. Damit können wir Krishna nicht kaufen, wir können die göttliche Liebe nicht kaufen. Es genügt nicht. Wir müssen diese Leistungs- und Messmentalität ablegen. Denn Radhika ist sehr zart. Je mehr man sie mit Gewalt ergreifen will, desto mehr entzieht sie sich einem.
Wenn diese innere Wandlung nicht stattfindet, man aber versucht, alle äußeren Anzeichen eines Anhängers zu zeigen, kann früher oder später passieren etwas. Es genügt nicht, die äußeren Bedingungen oder Anforderungen zu erfüllen, wir brauchen diese innere Wandlung. Bhaktivinoda Thakur sagte, das Problem dieses Zeitalters sei der Mangel an selbstlosen Predigern. Daraus können wir schließen, dass selbst die Prediger manchmal diese Mentalität, diesen Wettbewerbsgeist haben – wie man Hingabe misst. Wir müssen diesbezüglich sehr vorsichtig sein. Denn die wahre Wandlung findet im Herzen statt. Und warum ist das Herz verborgen – und ich spreche hier vom spirituellen Herzen – warum ist es so tief im Wesen des Menschen verborgen? Damit nur die Auserwählten und Krishna das Herz lesen können. Aber er kann es lesen, sie können es lesen. Wenn wir nicht ehrlich sind, können sie das lesen. Selbst wenn man alle Rituale vollzieht. Wenn man äußerlich zeigt, dass man zu 108 % ein Anhänger ist, innerlich aber nichts geschieht – sie können es lesen. Aber sie können auch das Gegenteil lesen: Man wirkt wie ein sehr schwacher Mensch, gefallen, voller Fehler und Mängel und unwissend, aber wenn auch nur ein Tropfen Aufrichtigkeit im Herzen ist, wird man erlöst. Wir können Krishna nicht mit irgendwelchen Eigenschaften und Leistungen, die wir vollbringen, kaufen. Das können wir nicht.
Einmal sagte mir jemand: „Der heilige Name ist bitter auf meinen Lippen geworden.“ Und das war sehr schockierend für mich, denn wir haben verstanden, dass der heilige Name sehr süß ist. Wie kann er bitter sein? Als ich also das nächste Mal einen Gottbruder meines Gurudev traf, einen sehr erhabenen und vortgeschrittenen Bhakta, stellte ich ihm diese Frage. Dann starrte er mich an und sagte schließlich: „Wenn er bitter geworden ist, war es nicht der heilige Name.“
(Fortsetzung folgt)
(Aus einem Vortrag von Swami Tirtha, 05.01.2019, morgens, Sofia)
(Fortsetzung vom vorherigen Freitag)
Ich denke, wir haben bisher sehr inspirierende spirituelle Ratschläge erhalten. Doch nun, da wir unsere Diskussion über die Lebensziele begonnen haben, betrifft die letzte Frage Mahaprabhus an Ramananda Raya Folgendes: „Was ist das Schicksal derer, die nach Befreiung streben, und derer, die das Leben genießen wollen?“
Harilila: Jeder erhält, wonach er sucht.
Swami Tirtha: Ja. Was meinst du damit?
Krishna Priya: Diejenigen, die genießen wollen, erfahren stattdessen Leid.
Swami Tirtha: Nein! Nein, dem kann ich nicht zustimmen. Aber was ist mit den Suchenden nach Befreiung? Was werden sie erhalten?
Krishna Priya: Befreiung vom dreifachen Leiden.
Swami Tirtha: Nun, es heißt: „Diejenigen, die Befreiung erlangen wollen, werden als Bäume wiedergeboren. Und diejenigen, die das Leben genießen wollen, werden als Halbgötter wiedergeboren.“ Natürlich kann man sagen, dass es ein höllisches Leben ist – ein Halbgott zu sein, voller Leid. Aber es gibt auch als Halbgott etwas zu tun, was kosmische Angelegenheiten betrifft. Doch was ist die Botschaft? Wenn ihr Befreiung erlangen wollt – ohne Dienst, ohne die liebevolle Verbundenheit mit dem Höchsten Gott – werdet ihr an einem Ort verharren. Das ist keine wahre Befreiung, ihr werdet das Gegenteil erfahren. Und wenn ihr genießen wollt, werdet ihr zwar Genuss erfahren, aber mit mehr Pflichten, kommt mehr Verantwortung. Deshalb brauchen wir andere Ziele, die sich sozusagen auf angemessenere Weise erfüllen lassen. Das war also etwas über menschliche Ziele. Versucht, diese Liste mit Fragen und Antworten euch zu merken, damit ihr die höchsten spirituellen Ideale bewahren könnt. Ich glaube, diese Ideale werden uns selbst in Krisenzeiten helfen.
Frage von Krishna Priya: Ich verstehe nicht, warum diejenigen, die genießen wollen, zu Halbgöttern werden. Wir haben doch schon oft gehört, dass wir, wenn wir genießen wollen, nur Enttäuschung und Frustration erfahren und kein wahres Glück finden. Wie kommt es, dass man zu einem Halbgott wird?
Swami Tirtha: Probier es aus und du wirst sehen, ob du zufrieden oder frustriert bist. Was ist die Definition eines Halbgottes im Krishna-Buch[1]?
Krishna Priya: Diejenigen, die Gott dienen.
Swami Tirtha: Richtig. Tat-priyartham – Halbgötter sind diejenigen, deren einziges Lebensziel Krishnas Glück ist. Es ist also eine sehr hohe Stellung. Gott zu dienen – das ist das höchste Glück, der höchste Genuss. Unser Krishna genießt es. Und wenn ihr in seine Nähe kommt, wird Er sein Glück mit euch teilen. Wenn ihr bisher nur Frustration wahrnemt, solltet ihr vielleicht eure Beziehung zu Krishna etwas vertiefen. Denn Krishna ist ein glücklicher Gott. Und wenn ihr bhakta werdet, werdet auch ihr glücklich sein. Einen traurigen Anhänger gibt es nicht. Das eine ist das eine, das andere das andere – das passt nicht zusammen. Denn ein hingebungsvolles Leben bedeutet, dass wir gemäß unserer ursprünglichen Position leben: Sat-Cit-Ananda – Ananda ist in allen Bhakti-Praktiken enthalten.
Einmal traf ich in Mayapur einen sehr alten, erfahrenen Mann. Er kam in mein Zimmer. Er sprach praktisch nur Bengali, und ich verstand kein Wort, aber wir führten ein sehr schönes Gespräch. Denn er sagte: „Wir kehren zu Krishna zurück. Und Gurudev sagte uns, dass er uns retten wird, falls wir zu spät kommen. Wir haben Hoffnung!“ Seht ihr, so einfach ist das. Es ist voller Freude am ewigen Leben. „Ja, es wartet auf uns! Lasst uns gehen, lasst uns mitmachen. Denn Gurumaharaj hat uns gesagt, dass er kommen und uns retten wird“ – das war sein Plan für dieses Leben. Er war ein Mensch voller Freude. Eigentümliches Vergnügen und die Freude am göttlichen Dienst – das ist ein himmelweiter Unterschied.
(Fortsetzung folgt)
1. „Krishna – Die Quelle ewiger Glückseligkeit“ von Swami Prabhupada
Dec
25
(Aus einem Vortrag von Swami Tirtha, 05.01.2019, morgens, Sofia)
(Fortsetzung vom vorherigen Freitag)
Swami Tirtha: „Welche der vielen verschiedenen Meditationsarten ist die beste?“
Antwort: Chanten.
Swami Tirtha: Gut, das ist Japa. Unser Japa sollte uns helfen, uns auf die Lotusfüße zu konzentrieren. Dies ist die eigentliche Antwort von Ramananda Raya: „Die beste Meditation ist, wenn wir über die Lotusfüße von Radha und Krishna meditieren.“ Krishna hat viele Lotusblüten an seinem Körper. Er hat auch viele Vollmonde an seinem Körper – wie an seinem Bauch, seinem Gesicht, seinen Augen; es gibt so viele schöne Stellen an seinem Körper. Aber warum werden meistens nur die Lotusfüße erwähnt? Normalerweise sind die Füße eines Menschen doch die niedrigste Position, oder? Dennoch betrachten wir die Füße der Heiligen und die Füße unseres Gottes als etwas sehr Erhabenes, sehr Heiliges. Und wir sind bereit, den höchsten Teil unseres Körpers dem niedrigsten Teil des Körpers Gottes zuzuwenden – uns vor den Lotusfüßen zu verneigen. Warum also Lotusfüße? Weil Füße eine Haltung des Dienens hervorrufen. Ein Schritt Gottes ist so weit und so kraftvoll, dass die ganze Welt erbebt. Daher ruft er diese ehrfürchtige Stimmung im Gläubigen hervor. Im Ungarischen gibt es das Sprichwort „An den Füßen Gottes haften“ – es bedeutet, dass man sehr glücklich ist. Nun, gehen wir noch einen Schritt weiter. Denn das Sprichwort sagt nicht, man solle an den Schuhen Gottes haften, sondern an den Füßen. Nicht am Mantel, nicht an den Schuhen – an Ihm selbst, direkt. Füße werden also immer eine Haltung des Dienens hervorrufen.
Und viele von euch sind praktizierende Mütter und Väter – wenn ihr die Füße eures Babys berührt, was für ein Gefühl ist das? Ihr küsst die Füße eures Babys, weil es so süß ist, nicht wahr? Stell euch vor, ihr begegnet Krishna. Seine Lotusfüße werden sehr, sehr süße Gefühle in euch wecken. Ihr solltet euch ein Protokoll überlegen. Wenn ihr Krishna begegnet, verbeugt ihr euch natürlich. Ihr werder seinen Lotusfüßen sehr nahe sein. Was tut ihr dann? Überlegt euch ein Protokoll. Zurückgehen? Sinnlos. Dort bleiben? Klingt besser. Sie berühren? Ja, besser. Sie umarmen? Dann kann er sich nicht bewegen. Und ihr seid für immer mit ihm verbunden. Dies sind einige Möglichkeiten, einige Richtlinien für euer Protokoll. Denn zuvor wurde gesagt, dass wir uns an Krishnas wundervolle Eigenschaften erinnern müssen. Nun, wenn ihr euch an dieses Protokoll erinnert – was soll ich tun, wenn ich meinem Herrn begegne? – ist das auch gut.
„Wo sollen wir leben?“ ist die nächste Frage.
Antwort: An einem heiligen Ort.
Swami Tirtha: Richtig. „Wir sollten in Vrindavan leben, an dem Ort, wo der Rasa-Tanz stattfindet.“ Man kann sagen, dass dies das ultimative Zentrum allen Seins ist. Dieses göttliche „хоро“[1] der Gopis und Krishnas. Hier die Straße heißt „Народно хоро“[2], und im spirituellen Himmel haben wir „Дивно хоро“[3]. Alles, sogar die Leute, die dieser Straße ihren Namen gaben, versuchten, euch daran zu erinnern. Nutzt also jede Gelegenheit, verpasst keine Chance!
Aber wie können wir in Vrindavan leben? Es ist nicht einfach nur ein physischer Ort. Das hingebungsvolle Leben ist keine geografische Reise. Es ist eine spirituelle Reise. Erhöht also euer Bewusstsein. Wenn sich euer Leben und jeder Gedanke um die Begegnung der Seele mit Gott dreht, um diesen Rasa-Tanz, um die Vereinigung mit dem ewigen und wunderschönen Ausdruck dieser Einheit zwischen der individuellen Seele und dem Höchsten – wenn dies der Fokus eures Lebens ist, dann lebt ihr in Vrindavan. Und manchmal können wir auch das Chaitanya Charitamrita zitieren: „Wo immer du bist, ist Vrindavan.“ Wenn wir einen Menschen finden, der in dieser höchsten Meditation, dieser Vereinigung, dieser höchsten Bewusstseinsebene lebt, in der göttliche Liebe und Schönheit im Herzen zusammentreffen und er immer mit dieser faszinierenden Wahrheit verbunden ist – dann ist dies Vrindavan; und wenn wir ihnen nahe sind, sind auch wir in Vrindavan. So lebt man an einem heiligen Ort – indem man sich mit den Heiligen umgibt, die dort leben.
„Was ist das wichtigste Thema, das wir besprechen, über das wir hören sollten?“
Yashoda: Die Spiele von Radha und Krishna.
Swami Tirtha: Ja, das ist das Wichtigste, worüber wir hören sollten – „Die liebevolle Verbindung zwischen Radharani und Krishna“. Und hier habt ihr einen Vorteil, das muss ich anerkennen, denn wir haben nur dieses Sprichwort – sich an Gottes Füße zu klammern –, aber in eurer Tradition gibt es das Wissen um Rada, das schönste Mädchen im Dorf. Wir Ungarn haben diesen Wettstreit leider verloren. Ihr seid die Gewinner des Rasa. Selbst der Meister, Beinsa Duno, hielt eine sehr schöne Rede über Radha. Ihr habt also einen großen Vorteil gegenüber anderen Nationen. Kultiviert es! Denn was ist die Botschaft, was ist die Bedeutung des Zuhörens dieser göttlichen Spiele von Radha und Govinda? Sie werden uns immer daran erinnern, dass auch wir in diese göttliche Wirklichkeit zurückkehren sollten.
Dann: „Was ist das verehrungswürdigste heilige Objekt?“
Yashoda: Tulasi?
Swami Tirtha: Ja, Tulasi, aber in Form der Japa-Mala. Richtig. „Das verehrungswürdigste göttliche Heiligtum ist der heilige Name von Radha-Krishna – das Mahamantra.“
(Fortsetzung folgt)
1. Kreistanz auf Bulgarisch
2. „Volkskreistanz“ – der Name der Straße, in der sich der Ashram in Sofia befindet
3. Göttlicher Kreistanz
Dec
18
(Aus einem Vortrag von Swami Tirtha, 05.01.2019, morgens, Sofia)
Das Gespräch zwischen Chaitanya Mahaprabhu und Ramananda Raya geht weiter. Die nächste Frage lautet: „Was ist die beste und höchst segensreiche und fromme Tätigkeit?“ Was ist eure Antwort?
Kripadham: Hingebungsvoller Dienst.
Manoram: Spirituelles Wissen weitergeben.
Vedavid: Sadhu-Sangha.
Swami Tirtha: Hast du diese Ausgabe gelesen? Ja, die Gemeinschaft mit den Devotees – das ist die beste – die beste und einzige – fromme Tätigkeit. Warum? Weil wir, wenn wir mit den Devotees in Umgang sind, ganz sicher göttliches Wissen empfangen und weitergeben werden. Dann ist hingebungsvoller Dienst garantiert. Diese heilige Gemeinschaft steht uns in guten wie in schlechten Zeiten bei. Ist diese Botschaft nicht gerade heute sehr aktuell – dass die beste fromme Tätigkeit darin besteht, sich mit heiligen Persönlichkeiten zu verbinden? Denn dies wird uns retten. Wissen oder was auch immer ihr im materiellen oder spirituellen Sinne erreicht habt, wird uns kaum jemals helfen. Aber die Sadhu-Sangha wird uns helfen. Wenn ihr in eurem letzten Augenblick an die Devotees denkt, dann werdet ihr damit weitermachen. Wenn dies die Summe und Essenz eures Lebens ist, die Zusammenfassung eures Lebens, dann werdet ihr von diesem Augenblick an weitermachen. Und die Devotees werden von Krishna gesandt. Krishna schenkt die Sadhus und die Sadhus schenken Krishna. Dann seid ihr in Sicherheit. Der allmächtige Gott und die hingegebene Seele – dies ist eine unbesiegbare Gemeinschaft.
Und dann kommt die Frage: „Woran sollten wir uns immer erinnern?“
Antwort: An die Lotusfüße Gottes.
Raga Manjari: An die Lotusfüße der Devotees.
Maharani: Immer an Gott zu denken, egal was passiert, dass er unser erster Gedanke ist.
Swami Tirtha: Sehr schön. Die ursprüngliche Antwort von Ramananda Raya lautet: „Sich an die heiligen Namen Krishnas, seine Eigenschaften und seine Spiele zu erinnern.“ Krishna ist barmherzig, nicht wahr? Was sind die sechs Elemente der Sharanagati, der Hingabe? Bitte helft mir!
Krishna Priya: Das Gute annehmen und das Schlechte ablehnen.
Swami Tirtha: Richtig. Das ist der Einstieg.
Vedavid: Zu glauben, dass Krishna uns immer beschützen wird.
Swami Tirtha: Richtig. Und?
Vedavid: Sich Vishnu hingeben.
Swami Tirtha: Richtig. Und Demut. Diese beiden – Selbsthingabe und Demut – sind die individuelle Praxis, die wir darbringen können. Und noch etwas zu Krishna: Er ist der Beschützer aller und wird alles erhalten. Wie oft haben wir diese Schritte schon besprochen? Aber im Alltag vergessen wir sie. Wir denken: „Ach, das ist selbstverständlich. Es ist nicht so wichtig.“ Ich bin heute ständig unterwegs.“ Doch in Krisenmomenten erinnert man sich sofort: „Oh, Krishna ist der Beschützer aller. Er erhält alles. Alles ist unter Kontrolle.“ Er ist Bhakta-vatsala, die Zuflucht der Devotees. Nur müssen wir uns qualifizieren, um Devotees zu werden… Doch glücklicherweise ist Er noch barmherziger, als nur die Devotees zu beschützen, denn Er wird auch Dina-bandhu genannt, der Freund der einfachen Lebewesen. Selbst wenn ihr euch also nicht als wahre Devotees qualifizieren könnt, seid ihr als einfache, gefallene Menschen nicht vergessen. Der Weg hinein und der Weg hinaus liegen in Seiner Hand. Und auch die gesamte Zeit, die wir hier verbringen, liegt in Seiner Hand. Deshalb sollten wir uns am Anfang, währenddessen und am Ende an die heiligen Namen, die süßen Spiele und die überaus erhabenen Eigenschaften Krishnas erinnern.
Frage von Krishna Shakti: Wie kann man sich qualifizieren, ein Devotee zu werden? Wenn er eine gefallene, einfache Seele ist, wie kann er sich verbessern?
Swami Tirtha: Das musst du einen Devotee fragen. In dem man dem guten Beispiel folgt. Versuche, an dieser hingebungsvollen Praxis teilzunehmen. Arbeite an dir selbst. Denn wir brauchen eine gewisse Reinigung, eine gewisse Lebensveränderung. Wir müssen in unseren spirituellen Bestrebungen aktiv sein. Und wenn wir zu unserer ursprünglichen spirituellen Position und Identität zurückfinden, dann qualifizieren wir uns als Devotees.
Devotees besitzen unzählige glorreiche Eigenschaften. Wie Wissen, Demut, Dienstbereitschaft, Keuschheit. Meine Lieblingseigenschaft ist, dass ein Devotee poetisch ist. Also tu etwas dafür und dann kannst du dich verbessern, kannst du voranschreiten. Aber letztendlich heißt es, es gäbe nur zwei Voraussetzungen für einen Devotee. Sie sind Glaube und Bereitschaft. Wenn du also glaubst und es willst, kannst du Krishna näherkommen. Dann stellt sich nur noch eine Frage: Wie kann man mehr wollen? Aber dies ist Shishtachar oder solches Wissen, solche Informationen, die wir durch den Umgang mit den Anhängern sammeln müssen. Man kann dieses Geheimnis – wie sie es tun – auf irgendeine Weise ergründen. Dies sind einige Anregungen zur Verbesserung unseres Lebens.
(Fortsetzung folgt)
(Aus einem Vortrag von Swami Tirtha, 04.01.2019 abends, Sofia)
(Fortsetzung vom vorherigen Freitag)
Frage von Krishna Priya: Sie erwähnten, dass wir gegenüber Geisteskranken nicht demütig sein sollten. Es gibt Situationen, in denen Freundlichkeit und Nachsicht kontraproduktiv sind und man strenger sein muss. Könnten Sie bitte etwas mehr dazu sagen? Ist das richtig?
Swami Tirtha: Nun, wir sollten stets innere Demut bewahren. Denn wir sollten immer die Seele, den Menschen, den Paramatma respektieren. Wir müssen den Menschen so annehmen, wie er ist. Aber das bedeutet nicht, dass man ihm oder ihr zustimmen muss, insbesondere nicht bei schlechtem Verhalten. Es heißt, wenn jemand nicht schwimmen kann und im Wasser ertrinkt, und man ihm zu Hilfe schwimmt, könnte er einen mit nach unten ziehen. Deshalb wird denen, die Menschen in solchen Gefahrensituationen retten wollen, empfohlen, ihnen zuerst einen Schlag auf den Kopf zu geben. Sie bewusstlos zu schlagen. Denn so blockiert man ihren Widerstand und kann sie retten. Ich sehe, ihr lächelt. Gut, ich habe das nicht überprüft. Es ist eine Theorie, das gebe ich zu. Aber es heißt, es sei so: Zuerst den Widerstand blockieren, koste es, was es wolle, wenn es um Leben und Tod geht, und dann retten. Wie können wir das natürlich anwenden, zum Beispiel beim Predigen – wenn sich jemand unserer liebevollen Hilfe widersetzt, schlagen wir ihn dann bewusstlos, um ihn zu retten? Nein, natürlich nicht so. Aber wir sollten immer versuchen, diese innere Demut zu bewahren, die die Seele, die spirituelle Identität des anderen respektiert.
Und versucht, ein so reiner, demütiger, anziehender und aufrichtiger Mensch zu sein, dass jeder, der dir begegnet, deinem Beispiel folgen möchte. Denn wahre Demut ist eine sehr starke Kraft. Sie ist nichts, was man missbrauchen kann, sondern eine sehr mächtige Eigenschaft. So sehr, dass niemand einen wirklich demütigen Menschen angreifen oder verletzen kann.
Stellt euch vor das ihr einen Vortrag haltet. Das heißt, ihr steht vorne, im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit der Zuhörer. Ihr versucht, die Schönheit des hingebungsvollen Lebens und die Werte spiritueller Praxis zu beschreiben, und dann, nach 15 Minuten, steht jemand im Publikum auf, zeigt mit dem Finger auf euch und sagt: „Du bist kein Vaishnava! Du bist ein Dämon!“ Stellt euch das mal vor. Ein bisschen überraschend, nicht wahr? Nur ein bisschen. Ich denke, dann wird eure Fähigkeit, Vorträge zu halten, infrage gestellt. Wie geht man mit unerwarteten Situationen und Kommentaren um? „Du bist kein Vaishnava! Du bist ein Dämon!“ Was kann man da schon tun? Es ist doch offensichtlich, dass diese Person nicht qualifiziert ist, irgendwelche Bemerkungen abzugeben. Natürlich kann man seine Bescheidenheit bewahren, nicht wahr? Ihr seid ja nicht beleidigt.
Genau das meine ich: Menschen zu akzeptieren und Dummheit zuzustimmen, ist nicht dasselbe. Wir respektieren immer den Menschen, wir respektieren immer die Seele, aber ihr dürft eine spirituelle Meinung haben, die auf den Shastras und den Lehren basiert. Unsere Pflicht ist es jedoch, unsere Tradition so freundlich und authentisch zu vertreten, dass die Menschen sie verstehen, annehmen und sich inspiriert fühlen, ihr Leben zu verbessern. Ich denke, das ist wahre Bescheidenheit – wenn man versucht, dem anderen zum spirituellen Wohl zu verhelfen. Und manchmal bedeutet das auch, schlechte Gewohnheiten abzulegen, kritisches Verhalten zu unterlassen usw. Alles nur zum Wohl des anderen. Gut. Soviel zum Thema Bescheidenheit.











