

Sharanagati
Collected words from talks of Swami Tirtha
Jul
9
(Aus einem Vortrag von Swami Tirtha, 10.01.2019, morgens, Sofia)
(Fortsetzung vom vorherigen Freitag)
Hier wird etwas sehr Wichtiges erwähnt: „Der ewige Wirbel von Gokula ist Krishnas sechseckige Residenz“[1]. Der sechseckige Stern – als Davidstern bezeichnet – ist das Symbol einer anderen bedeutenden Tradition. Doch tatsächlich handelt es sich nicht um den Davidstern, sondern um den Stern von Gokula. Erst vor Kurzem wurde er mit der jüdischen Tradition in Verbindung gebracht. Im Orient findet sich dieses wichtige Symbol in vielen verschiedenen Тraditionen. Allgemein lässt sich sagen, dass zwei sich treffende Dreiecke einen Sechseck bilden. Das eine repräsentiert das männliche Prinzip, das andere das weibliche. Daher verstehen wir, dass im Wirbel dieser Lotusblume der vorherrschende Aspekt des Höchsten verborgen ist.
Aber es klingt sehr trocken, sehr theoretisch und ist schwer verständlich. Um was geht es eigentlich? Dominiert? Das ist zu kompliziert für uns! Aber wenn ich sage: In dieser wunderschönen Lotusblume tanzen Radha und Govinda in der Mitte – dann versteht ihr es ganz leicht. Nicht wahr? Vergisst diese trockene Philosophie. Versucht, euch dem Tanz anzuschließen, dem ewigen Tanz von Radha und Govinda in Einheit.
Doch laut den Erklärungen von Bhaktisiddhanta Saraswati Thakur gibt es diesen dominierenden und beherrschten Aspekt des Höchsten. Der dominierende Aspekt ist Krishna, Govinda, und der beherrschte Aspekt ist Radhika. Auf den ersten Blick ist alles klar. Denn es ist wie ein Tanz. Jemand muss den Tanz anführen. Der Führende ist der dominierende Aspekt, und die Person, die sich dem Tanz anschließt, ist der beherrschte Aspekt. Und dann ist die Choreografie wunderschön. Doch ohne den anderen Partner kann der Tanz niemals stattfinden. Dann ist es ein Solo, was etwas langweilig ist.
In diesem Sechseck treffen also der vorherrschende und der beherrschende Aspekt aufeinander, die beiden Dreiecke treffen sich. Daher rief Bhaktisiddhanta Saraswati Thakur einst aus: Vergesst diesen Monotheismus. Wir sind Dualisten. Wir mögen die vorherrschenden und die berherrschenden Aspekte dieser einen Einheit, denn wie kann man Radha und Govinda trennen? Man kann sie nicht trennen. Also eins und doch verschieden, verschieden und eins zugleich – ein sehr hohes Konzept.
Dann heißt es im nächsten Vers: „In diesem ewigen Reich Gokulas befindet sich ein Wirbel, und dies ist die sechseckige Residenz Krishnas. Diese transzendentale Lotusblume hat Blütenblätter, und diese Blütenblätter sind die Wohnstätten der Kuhhirtenjungen, die ein Teil Krishnas sind. Sie hegen eine ausschließliche, liebevolle Verbundenheit zu Krishna. Und ihrer ursprünglichen Natur entsprechend sind sie untrennbar mit Ihm verbunden. Diese Blütenblätter erheben sich wie Mauern und strahlen wunderschönes Licht aus. Die äußeren Blütenblätter sind die transzendentalen Dhams oder Waldunterkünfte für die Gopis unter der Führung von Shrimati Radharani.“[2]
So können wir Krishnas Umgebung und sein Gefolge sehen und verstehen. Im Zentrum der Schöpfung, als Lotusblume, tanzen Radha und Govinda. Um sie herum sind ihre wunderschönen Gefährtinnen, die Gopas und die Gopis. Eine sehr ähnliche Beschreibung findet sich in der Bibel, aber sie ist etwas majestätischer, nicht wahr? Gott hat einen Thron, und einige Engel zittern vor seinen Füßen. Hier gibt es kein Zittern; nur Schönheit, Verbundenheit und freudige Gemeinschaft mit dem Höchsten. Und was ist das Wesen dieser Gefährtinnen? Ihr Wesen ist ebenfalls Sat-Chit-Ananda-Vigraha. Aber was ist ihr Zweck? Ihr Zweck ist es, die Zuneigung von Krishna zu teilen und sie zu vermehren. Das ist sehr wichtig, denn ursprünglich teilen auch wir diese Eigenschaften, Sat-Chit-Ananda-Vigraha, nicht wahr? Die nächste Frage ist also: Was ist der Sinn meines Lebens? Nun, diese ursprüngliche, liebevolle Einladung widerzuspiegeln und den liebevollen Dienst zu vermehren. Ist das nicht wunderschön? Wir haben einen Lebenssinn – das göttliche Licht widerzuspiegeln. Wir sind nicht aus der Dunkelheit geboren. Wir sind nicht geboren, um zu sterben. Nein, wir sind geboren, um zu leuchten. Um unsere ursprüngliche spirituelle Pracht zu offenbaren. Welch eine Perspektive!
(Fortsetzung folgt)
1. Brahma Samhita, 5.3
2. Brahma Samhita, 5.4
Leave a Reply


