Sharanagati

Collected words from talks of Swami Tirtha




(Aus einem Vortrag von Swami Tirtha, 10.01.2019 abends, Sofia)

(Fortsetzung vom vorherigen Freitag)

Alle schönen Spiele Krishnas sind so lieblich. Normalerweise mögen die Anhänger die Kindheitsspiele Krishnas sehr. Denn in dieser Zeit zeigt er ganz besondere Talente. Obwohl er jung ist, verhält er sich wie ein Held. Obwohl seine Mutter Yashoda denkt: „Er ist ein kleiner Junge“, sehen die Mädchen in Vrindavan das anders. Sie sagen: „Ah, er ist unser Held.“ So geschehen in Krishnas Nähe immer wieder Wunder. Und wann immer er seinen täglichen Aufgaben nachging, kam er durch die Straßen und Häuser von Vrindavan. Und alle Mädchen waren entzückt, ihn zu sehen. Offiziell war es ihnen jedoch verboten. Man darf nicht einfach auf die Straße gehen und einen jungen Mann grüßen. Aber die Mädchen erfanden Wege, Ihn zu sehen. Ein Weg war, auf die Dächer der Häuser zu klettern. Denn so  waren sie praktisch unsichtbar und konnten dennoch Krishnas vorbeiziehen sehen – sie konnten alles beobachten. Sie waren die Glücklichen. Die andere Methode war… Ihr erinnert euch an die Art von Türen in Indien. Die beiden Seiten der Tür treffen aufeinander, treffen aber nicht vollständig auf einander zu. Es bleibt also ein kleiner Spalt zwischen den beiden Seiten. Sie sieht geschlossen aus, ist aber in Wirklichkeit zu 10 % geöffnet. Genau diese Gopis, die sich hinter diesen sozusagen geschlossenen Türen versteckten, sind die Mystikerinnen. Denn sie konnten nicht die gesamte Prozession von Krishna, den Gopals und den Kälbern beobachten, sondern nur einen kurzen Blick auf diese Wirklichkeit erhaschen. Seit also gewarnt: Wenn ihr ein Mystiker sein wollt, werden ihr nur flüchtige Einblicke in die Wirklichkeit erhalten. Wenn ihr euch den Glücklichen anschließt, könnt ihr die gesamte Prozession sehen.

Und die Mütter der Gopis waren sehr zärtliche und fürsorgliche Mütter – sie schützten die Würde ihrer Töchter und versuchten, sie vor jeder Gefahr zu bewahren. Die Mütter in Vrindavan wollten sich gut um ihre Töchter kümmern. Und als sie hörten, dass in Vrindavan Gefahr drohte, weil Schlangen aufgetaucht waren, versuchten sie, ihre Töchter bestmöglich zu beschützen. Wenn man in einer schlangenreichen Gegend hinausgeht, kann man gebissen werden. Ich glaube, 70 % aller Schlangenarten auf diesem Planeten leben in Indien. Es ist also ein Paradies für Schlangen. Aber von all diesen vielen Schlangenarten sind die schwarzen Schlangen die gefährlichsten. Sie sind sehr giftig. Als die Mütter also hörten: „Ah, sehr gefährliche schwarze Schlangen sind in Vrindavan aufgetaucht“, waren sie erschrocken. 

Ihr wisst, in Indien verdienen Schlangenbeschwörer ihr Geld mit Flöte spielen und die Schlange tanzt. So bezaubert der Schlangenbeschwörer die Schlange. Doch was geschieht, wenn anstelle des Schlangenbeschwörers eine Maus ist? Dann wird die Schlange die Maus bezaubern, nicht wahr? Dann kann sich die Maus nicht wehren. Sie wird wie verzaubert sein. Die Schlange kann das kleine Opfer bezaubern. Als die Mütter also begriffen: „Ah, hier in Vrindavana sind diese  giftigen und sehr gefährlichen schwarzen Schlangen aufgetaucht“, wollten sie alle Türen verschließen. „Meine lieben Töchter,  ihr könnt nicht hinausgehen.“

Doch die Mütter hatten nur die halbe Wahrheit gehört – sie hatten „schwarze Schlangen“ gehört, und das genügte ihnen. Sie fragten nicht weiter nach. Aber alle, die die spirituelle Zoologie von Vrindavan kennen, kennen die ganze Geschichte. Schwarze Schlangen? Krishnas Arme werden mit schwarzen Schlangen verglichen. Die Mütter erschraken: „Ah, schwarze Schlangen!“ Wem gehören sie? Es waren Krishnas Arme – sie hörten nicht zu. Aber die jungen Gopis, sie waren die wahren Schülerinnen der spirituellen Zoologie. Sie kannten die ganze Geschichte: „Oh, diese bezaubernden, wunderschönen Schlangen gehören unserem geliebten Gopal.“ Und sofort fühlten sie sich wie hypnotisierte Mäuse – unfähig sich zu verteidigen, gelähmt von der Nachricht, dass die schwarzen Schlangen erschienen waren. Und wenn die Schlange in besonderen Momenten erschien, dann wollten sie hinrennen, von dieser schwarzen Schlange gebissen werden. Denn die Umarmung dieser schwarzen Schlange von Vrindavan ist eine tödliche Gefahr. Sobald das Gift einen berührt, gibt es kein Entrinnen mehr. Es gibt kein Gegenmittel für sie.

Deshalb sage ich es noch einmal: Wenn ihr Mystiker werden wollt, seid gewarnt, ihr werdet nur einen flüchtigen Blick auf die Wirklichkeit erhaschen. Wenn euch jemand sagt: „Lasst euch nicht vom Dienst verführen“, dann denkt an diese hypnotisierten Gopis, die bereit waren, Opfer des Giftes der göttlichen Liebe zu werden. 

Wie finden wir also unseren Platz? Wenn Krishnas bezaubernde Spiele euch berühren, dann ist es sehr gefährlich. Ihr könnt nicht entkommen. Aber wir wollen nicht entkommen. Wir sind bereit, die nächsten 45 Jahre unseres Lebens hier zu verbringen, denn dies wird unsere Herzen nähren.

(Fortsetzung folgt)



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