Sharanagati

Collected words from talks of Swami Tirtha




(Aus einem Vortrag von Swami Tirtha, 06.01.2019, morgens, Sofia)

(Fortsetzung vom vorherigen Freitag)

Frage von Krishna Shakti: Wenn man den spirituellen Weg beschreitet, die Familie aber nicht wohlgesonnen ist, wie verhält man sich dann angemessen gegenüber den Eltern?

Swami Tirtha: Respektvoll. Mit Respekt. Diese Beziehung wird sich niemals ändern. Die Körperbeherrschung wird in der Bhagavad Gita beschrieben: deva-dvija-guru-pragya-pujanam shaucam arjavam/ brahmacaryam ahimsa cha shariram tapa ucyate 1 – „Die Körperbeherrschung bedeutet, dass man Gott verehrt, die Brahmanen, den Guru und die Älteren, wie Vater und Mutter, respektiert.“ Es ist also Teil der Körperbeherrschung. Es ist ein Prinzip. Es ist nicht nur eine individuelle Beziehung, sondern ein Prinzip. Vater ist ein Prinzip. Guru ist ein Prinzip. Leider verkörpern unsere Eltern oft keine vollständige spirituelle Autorität. Diesen Segen können wir auch anderswo erhalten. Doch der Respekt vor Vorgesetzten, wie Eltern, sollte immer vorhanden sein. Respekt vor Älteren bedeutet jedoch nicht, dass man allem folgt, was sie sagen. Autorität und spirituelle Autorität. Respekt und spiritueller Respekt. Wir müssen beides geben. Daher sind wir dem heiligen Namen zutiefst verpflichtet, denn als wichtigste spirituelle Praxis wird er unser Leben verändern. Er hat es bereits verändert, und weitere Veränderungen sind zu erwarten.

Frage von Paramananda: Das Frühstück von Nanda Baba war sehr scharf. Aber Krishna aß trotzdem weiter. Lag es daran, dass er sehr hungrig war oder lag es an einem anderen Grund?

Swami Tirtha: Er ist immer hungrig. Aber er bekommt ein ganz besonderes Essen. Das ist Hingabe. Aber nicht Hingabe wie Babynahrung – ohne Gewürze, ohne Geschmack, einfach nur allgemeine Hingabe, wie ein Kachamak. Er sehnt sich nach einem besonderen Geschmack – und genau dann wird die Hingabe mit höheren Komponenten angereichert. Im Allgemeinen kann man sagen, dass wahre spirituelle Praxis beginnt, wenn dein Bewusstsein mit Hingabe erfüllt ist. Die noch höhere Ebene ist jedoch erreicht, wenn deine Hingabe mit Rasa erfüllt ist. Und man kann sagen, dass eine noch höhere Stufe von Rasa Ruchi ist. Die Würze, die wir der allgemeinen Hingabe hinzufügen müssen, ist also dieser besondere Geschmack in der Beziehung zum Göttlichen Paar. 

Krishna ist hungrig, er ist nicht satt. Er braucht immer mehr. Und deshalb lädt er immer mehr Seelen ein, um seinen Hunger zu stillen. Ich bin sicher, ich habe dieses Milchwunder erwähnt. Erinnert ihr euch daran? Als Ganesh in Delhi in einem Tempel zum ersten Mal Milch annahm, opferten sie ihm die Milch, und sie verschwand. Ihr wisst, in Indien verbreiten sich die Nachrichten sehr schnell. Und dann kamen Hunderte von Menschen zu diesem Tempel, und jeder brachte Milch mit. „Wenn Ganesh die Milch nimmt, bringe ich sie ihm, um ihn zufriedenzustellen.“ Einer unserer Anhänger, der damals in Delhi lebte, sagte, dass Delhi innerhalb eines halben Tages stillstand. Denn schon bald nahm Ganesh auch in anderen Tempeln Milch an. Die Menschen drängten sich um die Tempel und warteten in langen Schlangen, um das private Wunder zu erleben: „Ganeshji nimmt meine Milch“ – und die Menschen brachten literweise Milch. Aber schon bald verbreitete sich das Wunder auch auf andere Kontinente. In London nahm Ganesh ebenfalls Milch an. Das Fernsehen filmte die Ereignisse. Man konnte sehen: Sie gaben Ganesh die Milch mit einem Löffel oder einem kleinen Becher – und sie verschwand. Es war wirklich erstaunlich! Schließlich äußerte sich auch die Wissenschaft zu dem Wunder. Und sie sagten: „Der Stein, aus dem Ganesh gehauen ist, ist porös. Deshalb saugt er die Milch auf.“ Aber Moment mal, was ist mit den Murtis aus Metall? Metall ist doch nicht porös. Der metallene Ganesh nahm die Milch ja auch an. Dann führten sie Interviews mit den Leuten in den Warteschlangen. Da war ein indischer Herr, ich glaube, er war in London, und er sagte: „Wissen Sie, ich arbeite als Buchhalter und bin Agnostiker, aber falls ein Wunder geschieht, habe ich auch meine Milch mitgebracht.“ Sehr berührenswert war jedoch das Interview mit einer Anhängerin. Ich bin sicher, sie war eine sehr erhobene bhakta, denn sie sagte: „Die Götter sind hungrig. Sie senden uns eine Botschaft. Sie brauchen unsere Hingabe.“ Wie schön!

Was wird also am Abend geschehen? Wenn ihr Ganesh, Gopal oder eine andere Form der Gottheit als Murti  eure Milch anbietet – werdet ihr sie zwingen, die Milch zu trinken? Wollt ihr sie etwa in einer Tasse Milch ertränken? Wollt ihr das Wunder selbst beweisen? Bitte tut das nicht, denn höchstwahrscheinlich werdet ihr scheitern. Denn es ist nicht die materielle Substanz, die sie annehmen wollen. Es ist die höhere Qualität, die Krishna benötigt. Und diese höhere Qualität, diese reine Hingabe, werden sie immer annehmen. Gebt euch also nicht damit zufrieden, nur die Milch zu bringen. Bringt auch diese ganz besondere Gabe mit – eure reine Hingabe.

  1. “Bhagavad Gita” 17.14


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