

Sharanagati
Collected words from talks of Swami Tirtha
Oct
16
(Aus einem Vortrag von Swami Tirtha, 04.01.2019, vormittags, Sofia)
Nach so vielen Jahren der Praxis sind wir wieder zusammengekommen. Ein Leben in Hingabe ist ein Leben voller Erwartungen. Aber auch das Leben von Menschen ohne Hingabe ist meist ein Leben voller Erwartungen, nicht wahr? Was ist dann der Unterschied zwischen einem hingebungsvollen und einem weniger hingebungsvollen Leben?
Baladev: Das Ziel der Erwartungen.
Swami Tirtha: Da stimme ich zu. Denn normalerweise wollen Menschen im Leben Ziele erreichen. Aber sie wissen nicht, was das Ziel und was das Instrument ist. Wir wollen keine Ziele erreichen. Wir wollen die Instrumente üben. Zum Beispiel denken die Leute im Allgemeinen, dass Erfolg ein Ziel ist. Sie erwarten Erfolg als Ziel. Aber in Wirklichkeit ist Erfolg ein Ergebnis – das Ergebnis richtiger Aktivitäten. Wenn eure Aktivitäten ungeeignet sind, welche Art von Erfolg erwartet ihr dann? Zunächst müssen wir also die Wissenschaft des richtigen Handelns verstehen. Ihr handelt nach den Launen der Natur und glaubt, etwas Wesentliches zu erreichen? Wenn ihr unter der Kontrolle der materiellen Natur steht, was werdet ihr dann erreichen? Nur die materielle Natur. Shrila Shridhar Maharaj sagt, dass etwas, das nicht Krishna ist, dir keinen Krishna geben kann. Das heißt, wenn etwas nicht spirituell ist, kann es dich nicht zu einem spirituellen Ziel führen. Das ist ganz vernünftig.
Erfolg hängt also erstens von den richtigen Aktivitäten und zweitens vom Segen ab, von der Zustimmung des Höchsten: „Gut, ich werde dir dieses Ergebnis geben.“ Daher heißt es, dass sich ein zweirädriger Wagen nicht auf einem Rad fortbewegen kann. Zwei Räder sind notwendig. Eines ist die menschliche Anstrengung und das zweite ist der göttliche Segen. Aber letztendlich können wir sagen: Es ist nur der göttliche Segen. Denn Krishna sagt: „Ich bin die Fähigkeit im Menschen.“[1] An anderer Stelle heißt es, Gott handelt im Menschen. Er ist also praktisch das einzige Rad. Aber um unsere egoistischen Wünsche zu befriedigen – „Okay, das zweite Rad am Wagen bist du.“
Die Kunst des richtigen Handelns ist also unerlässlich. Dafür müssen wir verstehen, was Aktion, was Reaktion, was verboten und was erwartet ist. Denn man kann tun, was man will, aber nicht alles. Vieles kann man tun, aber manches nicht. Manche Handlungen sind empfehlenswert, andere sind es nicht und man sollte sie besser vermeiden.
Aktivität ist in gewisser Weise besser als Nicht-Aktivität. Denn Nicht-Handeln ist ein wenig tamasisch. Handeln ist rajasisch. Also seit zumindest aktiv – das ist etwas Höheres. Aber wenn wir die richtige Wissenschaft des Handelns erlernen, ist das sattvisch. Manchmal sieht man auf der sattvischen Ebene nicht aktiv aus, aber das ist etwas völlig anderes als Nicht-Handeln auf der tamasischen Ebene. Deshalb heißt das dritte Kapitel der Gita Karma-Yoga, richtig? Das fünfte Kapitel heißt „Handlung im Krishna-Bewusstsein“ – also „Handlung auf einer höheren Ebene“. Und wie können wir unser Karma in etwas Höheres verwandeln, die einfachen Tätigkeiten in eine spirituelle Praxis? Wie geht das? Hilft mir!
Baladev: Wenn wir es für Gott tun.
Jemand im Raum: Wenn wir unsere alltäglichen Aktivitäten bewusst ausführen, ohne ein Ergebnis zu erwarten.
Hari Lila: Wenn wir unsere Tätigkeiten anbieten.
Swami Tirtha: Gut. Generell können wir sagen: Wenn wir unserem Handeln ein wenig Hingabe hinzufügen, dann wird Karma zu Karma-Yoga. Dies ist der Weg der Verbindung, der auf Handeln und Aktivität basiert. Genauso verhält es sich mit Wissen. Wissen wird im menschlichen Leben üblicherweise als etwas sehr Wertvolles angesehen. Daher nutzt die gesamte Informationstechnologie diesen menschlichen Wissensdrang aus. Normalerweise erwarten Menschen Informationen, aber was sie erhalten, ist Desinformation. Oder schlechte Nachrichten – das ist es, was sie verbreiten. Deshalb heißt es: „Bring keine schlechten Nachrichten.“ Statt Wissen wird oft nur Unwissenheit verbreitet. Was unserem spirituellen Bewusstsein nicht hilft, sich zu entwickeln, geht letztlich verloren und erfüllt somit nicht seinen eigentlichen Zweck. Begrenztes, materielles Wissen oder Informationen helfen nicht wirklich weiter. Es heißt, Weisheit sei nicht eine Menge an Informationen, sondern das Wissen um das Wesentliche.
(Fortsetzung folgt)
1. Bhagavad Gita 7.8
Leave a Reply



