

Sharanagati
Collected words from talks of Swami Tirtha
(aus einem Vortrag von Swami Tirtha, 11.01.2019, vormittags, Sofia)
(Fortsetzung vom vorigen Freitag )
Frage von Krishna Shakti: Ich bräuchte noch etwas Erläuterung zu dem Mandala mit den sechs Blättern. Sie sagten es gäbe eine Diamantsäule, die für Selbstreflexion steht – ist das vielleicht der Ort der Seele?
Swami Tirtha: Nun, die Diamantsäule – das ist Krishna. Es gibt hier zwei verschiedene Erklärungsansätze. Wenn wir den Herzlotus als ein Blumensymbol betrachten, dann finden sich auf den Blütenblättern positive sowie fragwürdige Eigenschaften, und im Zentrum liegt die Selbstreflexion. Das ist sozusagen der Anfang: Wenn wir unsere spirituelle Reise beginnen und noch nicht genau wissen, wie wir uns weiterentwickeln können, ist der erste Schritt, den wir tun können, uns selbst zu analysieren und über uns selbst nachzudenken: „Wer bin ich?“ Aus dieser Perspektive lässt sich sagen, dass der Beobachter diese Selbstreflexion vollzieht – und das sind wir, die Seele. Von diesem zentralen Punkt aus können wir unsere positiven und negativen Eigenschaften, unsere Vorzüge und unsere Schwächen betrachten.
Wenn wir unsere spirituelle Reise antreten, verlassen wir unser eigenes, kleines Herz-Mandala und treten in ein größeres Mandala ein. Stellt es euch so vor: Ihr nährt euch einem Tempel – es ist ein riesiger Tempelkomplex, fast wie ein ganzer Stadtteil. Die Außenmauer dient dazu, die Stadt vom heiligen Raum abzugrenzen. Es gibt ein Haupttor, einen Haupteingang; ihr tretet ein, und dann folgt eine weitere Mauer, und noch eine – ihr durchschreitet immer tiefer liegende Kreise dieses gewaltigen Komplexes. Und schließlich, im Zentrum dieses Komplexes, befindet sich diese Diamantsäule – Gott. Wenn dieses symbolische äußere Mandala und eure persönliches Mandala dort aufeinandertreffen, kann diese Diamantsäule auch in euer eigenes Herz übertragen werden. Dann werdet ihr den Ursprung euer eigenen Existenz finden. Und dann ist euer Herz-Mandala weit genug gereinigt, um Gott dazu einzuladen, darin zu wohnen: „Bitte, ich habe diesen Ort für Dich vorbereitet.“
Diese beiden Lotosblüten – zwei verschiedene Mandalas – dienen also dazu, unterschiedliche Ebenen der Wirklichkeit zu veranschaulichen. Die eine steht für eine persönliche, individuelle Wirklichkeit, während die andere eher ein Symbol für den spirituellen Weg darstellt, den wir zurücklegen müssen, um unser Ziel zu erreichen. Hinzu kommt das göttliche Mandala, in dem Goloka Vrindavan wie Lotosblütenblätter beschrieben wird, auf denen das Mahamantra steht. Es wird also immer wieder auf ein ähnliches Bild Bezug genommen, wenn auch in unterschiedlichen Nuancen: Da ist zum einen eure individuelle Herz-Mandala, zum anderen der Weg als Mandala, und schließlich die göttliche Wirklichkeit als Mandala. Manchmal kommen wir auch in einem Mandala der Schülerschaft zusammen – so wie heute: Wenn wir hier zusammensitzen, bilden wir ebenfalls eine Struktur, eine Form, die zusätzliche spirituelle Energie freisetzt.
Ich weiß nicht, ob dir das geholfen hat, die Situation in deinem Kopf zu klären. Es gibt also Parallelen und Ähnlichkeiten zwischen diesen verschiedenen Darstellungen, da sie alle dasselbe Symbol – das Mandala – verwenden, jedoch in jeweils unterschiedlichen Deutungen.
(Fortsetzung folgt)
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