Sharanagati

Collected words from talks of Swami Tirtha




(aus einem Vortrag von Swami Tirtha, 11.01.2019, morgens, Sofia)

(Fortsetzung vom vorherigen Freitag)

Wir haben also das Krishna-Mandala beschrieben. Doch wie steht es um Gauranga? Auch Mahaprabhu hat Sein Mandala. Und in Seinem Mandala nehmen Seine Gefährten die ihnen zugewiesenen Plätze ein.
Wer befindet sich im Zentrum des Chaitanya-Mandala? Das Zentrum des Chaitanya-Mandala bildet Er selbst – Chaitanya Mahaprabhu und Seine direkten Gefährten. Denn während im Krishna-Mandala Radha-Govinda im Zentrum standen, repräsentiert Mahaprabhu im Chaitanya-Mandala die vereinten Radha und Govinda; zudem umfasst es Seine primären Erweiterungen wie das Pancha-tattva.
Wer befindet sich im inneren Kreis? Im inneren Kreis des Krishna-Mandala befanden sich die jüngeren Gopis, die Manjaris. Im Mandala Mahaprabhus nehmen also die Goswamis diesen Platz ein. Auf dem äußeren Kreis, den äußeren Blütenblättern des Gauranga-Mandala, befinden sich die vertrauten Diener. Daraus können wir schließen, dass selbst jene, die zu den äußeren Blütenblättern dieses Blütenkranzes gehören, sehr vertraute Diener sind. Und schließlich sind diejenigen, die zum mittleren Bereich gehören, die allervertrautesten Diener. Also: vertraut, allervertrautest und Goswamis.
Aber ein Vers ist in Bezug auf die Identität von Chaitanya Mahaprabhu sehr wichtig:
Radha krishna-pranaya-vikritir hladini shaktir asmad
ekatmanav api bhuvi pura deha-bhedam gatau tau
chaitanyakhyam prakatam adhuna tad-dvayam chaikyam aptam
Radha-Bhava-Dyuti-Suvalitam Naumi Krishna-Svarupam [1]

Bedeutung: „Ich verehre Chaitanya Mahaprabhu, der sich nicht von Krishna unterscheidet. Umhüllt von der Pracht und den Emotionen Radharanis. Als herrschend und vorherrschend beiden Hälften Radha und Krishna sind in ihrer individuellen Identität immer vereint. Und jetzt in der Form von Chaitanya Mahaprabhu,  sind sie wieder vereint. Und diese unvorstellbare Transformation des  göttlichen Paar entsteht aus den Liebesbeziehungen von Radha und Krishna.“
Dies ist ein Zitat von Svarupa Damodara, dem persönlichen Sekretär Chaitanya Mahaprabhus. Und dieses Zitat ist für uns von großer Bedeutung, da es die Philosophie Chaitanya Mahaprabhus beschreibt – diese unbegreifliche Einheit in der Verschiedenheit. Die Göttlichkeit besitzt nach unserem Verständnis diese zwei Seiten einer Medaille: Govinda und Radha, Radha und Govinda – stets vereint. Sie sind einander so innig verbunden, dass sie – wenn sie ihre getrennten Identitäten wahrnehmen, etwa Krishna für sich und Radha für sich – einander so sehr brauchen, dass sie sich zueinander hingezogen fühlen und einander suchen. Und wenn diese Suche intensiv genug ist, umarmen sie einander so tief und innig, dass Chaitanya Mahaprabhu erscheint. Dann verbirgt sich Krishnas dunkler Teint unter dem silbernen Glanz Radhikas.
Bitte behaltet diesen Vers also im Gedächtnis, denn er leitet uns bei unseren spirituellen Bestrebungen. Und auf dieser Grundlage können wir die Parallelen zwischen Krishna-Lila und Gauranga-Lila leicht verstehen. Wer das entsprechende Auge besitzt, kann die Teilnehmer und Gefährten Chaitanyа Mahaprabhus sowie deren Stellung in Krishna-Lila erkennen.

1. Chaitanya Charitamrita, Adi Lila, 1.5

(Fortsetzung folgt)



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