

Sharanagati
Collected words from talks of Swami Tirtha
(Aus einem Vortrag von Swami Tirtha, 05.01.2019, morgens, Sofia)
(Fortsetzung vom vorherigen Freitag)
Frage: Ich möchte Sie etwas fragen, worüber Sie gestern gesprochen haben. Es ging um die Liebe – dass sie kommt und geht. Die meisten von uns haben das selbst erlebt. Göttliche Liebe hingegen, so sagten Sie, vergeht nie, wenn sie kommt. Aber ich habe einige Geschichten gehört und einige Bhaktas gesehen, die sich abgewandt haben, sie sind einfach verschwunden. Meine zweite Frage betrifft die Vollkommenheit: Sie sprachen von drei Wegen zur Vollkommenheit und dass unser Weg hauptsächlich durch Kripa, Gnade, führt. Und ich möchte Sie fragen, was Sadhana betrifft. Kann es zu viel Sadhana geben, sodass wir uns abwenden? Denn ich habe mit einigen Bhaktas gesprochen, und einige von ihnen haben mir Beispiele genannt – jemand ist so hingebungsvoll und wird immer müder und verschwindet dann einfach. Denn verschiedene Bhaktas teilen manchmal ihre Erfahrungen. Prabhupad sagte beispielsweise zu einem Anhänger: „Wenn du es tust, entwickelst du Liebe.“ Aber können wir es auch übertreiben, ohne vorbereitet zu sein, Sadhana ohne Liebe praktizieren und dadurch das Gegenteil erreichen? Zum Beispiel, dass wir müde werden und uns zurückziehen?
Swami Tirtha: Oh, so viele Fragen. Fangen wir von vorne an. Ich denke, im Grunde kreisen deine beiden Fragen um dasselbe Problem: ob wir etwas haben oder nicht. Spirituelle Errungenschaften sind so fein, so verborgen, dass es sehr, sehr schwierig ist, sie mit den uns zur Verfügung stehenden Mitteln zu messen. Aufgrund unseres materiellen Lebens und unserer Prägung – im Studium, in diesem Wettbewerbsgeist – wollen wir Dinge und Errungenschaften immer messen. Die Menschen veranstalten Olympische Spiele, um die Leistungen zu messen. Das ist übrigens ein völliger Fehlschlag, es ist ein Geschäft, kein Sport mehr. Es ist Chemie und Wirtschaft – wie man mehr Geld verdient. Wenn eure nationale Chemie der Aufsicht voraus ist, dann können sie jene Chemikalien erfinden, die euch unbemerkt schneller laufen lassen. Das hat also nichts mit echtem Sport zu tun. Und deshalb mein bescheidener Vorschlag: Wenn wir uns verbessern wollen, lasst uns rausgehen und spazieren, laufen oder ringen, ohne diesen ganzen Kommerz, und dann den Fernseher abschalten, sobald er anfängt, das als Sportveranstaltung zu vermarkten. Komm schon, das ist doch alles nur Show!
Entschuldigung, ich bin etwas emotional, denn Illusionen rauben uns alle unsere besten Ideale, sie verfälschen sie. Aber wir sind trainiert, Dinge zu messen. Und was bedeutet Maya? Wenn man versucht, Gott zu messen – das ist Illusion. Wenn wir also versuchen, unsere spirituellen Errungenschaften zu messen – wie viele Runden ich gechantet habe, wie viele Bücher ich verkauft habe, wie viel ich nicht weiß was – das ist dieser olympische Geist. Er reicht nicht aus. Damit können wir Krishna nicht kaufen, wir können die göttliche Liebe nicht kaufen. Es genügt nicht. Wir müssen diese Leistungs- und Messmentalität ablegen. Denn Radhika ist sehr zart. Je mehr man sie mit Gewalt ergreifen will, desto mehr entzieht sie sich einem.
Wenn diese innere Wandlung nicht stattfindet, man aber versucht, alle äußeren Anzeichen eines Anhängers zu zeigen, kann früher oder später passieren etwas. Es genügt nicht, die äußeren Bedingungen oder Anforderungen zu erfüllen, wir brauchen diese innere Wandlung. Bhaktivinoda Thakur sagte, das Problem dieses Zeitalters sei der Mangel an selbstlosen Predigern. Daraus können wir schließen, dass selbst die Prediger manchmal diese Mentalität, diesen Wettbewerbsgeist haben – wie man Hingabe misst. Wir müssen diesbezüglich sehr vorsichtig sein. Denn die wahre Wandlung findet im Herzen statt. Und warum ist das Herz verborgen – und ich spreche hier vom spirituellen Herzen – warum ist es so tief im Wesen des Menschen verborgen? Damit nur die Auserwählten und Krishna das Herz lesen können. Aber er kann es lesen, sie können es lesen. Wenn wir nicht ehrlich sind, können sie das lesen. Selbst wenn man alle Rituale vollzieht. Wenn man äußerlich zeigt, dass man zu 108 % ein Anhänger ist, innerlich aber nichts geschieht – sie können es lesen. Aber sie können auch das Gegenteil lesen: Man wirkt wie ein sehr schwacher Mensch, gefallen, voller Fehler und Mängel und unwissend, aber wenn auch nur ein Tropfen Aufrichtigkeit im Herzen ist, wird man erlöst. Wir können Krishna nicht mit irgendwelchen Eigenschaften und Leistungen, die wir vollbringen, kaufen. Das können wir nicht.
Einmal sagte mir jemand: „Der heilige Name ist bitter auf meinen Lippen geworden.“ Und das war sehr schockierend für mich, denn wir haben verstanden, dass der heilige Name sehr süß ist. Wie kann er bitter sein? Als ich also das nächste Mal einen Gottbruder meines Gurudev traf, einen sehr erhabenen und vortgeschrittenen Bhakta, stellte ich ihm diese Frage. Dann starrte er mich an und sagte schließlich: „Wenn er bitter geworden ist, war es nicht der heilige Name.“
(Fortsetzung folgt)
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