

Sharanagati
Collected words from talks of Swami Tirtha
(Aus einem Vortrag von Swami Tirtha, 17.08.2018, Ludasto)
(Fortsetzung vom letzten Freitag)
Frage: Wir haben gelernt, dass wir ungebunden und dadurch zufrieden sein müssen. Gleichzeitig müssen wir mit der erreichten Intensität unzufrieden sein. Wo ist also das Gleichgewicht und die Harmonie?
Swami Tirtha: Mahaprabhus Philosophie ist einzigartig. Sie heißt Achintya Bheda-Abheda Tattva. Tattva ist „Wahrheit“ oder „spirituelle Schlussfolgerung“. Bheda bedeutet „Unterschied“, Abheda bedeutet „Nicht-Unterschied“. Und Achintya bedeutet „unverständlich“. Das ist also Bheda-Abheda – ein Devotee ist zufrieden und unzufrieden.
Welche Seite kennt ihr? Welche Seite fühlt ihr? Wenn ihr Unzufriedenheit spührt, das ist sehr gut – verbessert eure Zufriedenheit. Falls ihr Zufriedenheit spührt ist das sehr gut – verbessert eure Unzufriedenheit. Wie das zu ultimativem Erfolg und vollkommener Erfüllung führt, weiß ich nicht. Ich habe keine Ahnung. Deshalb müssen wir die Vorteile beider Gefühle – Zufriedenheit und Unzufriedenheit – vereinen. Wenn man zufrieden ist, fühlt man sich glücklich, aber etwas träge. Unzufriedenheit hingegen macht uns etwas verbittert, aber leidenschaftlich, nicht so träge und bereit zu arbeiten. Die Nachteile beider Gefühle – Niedergeschlagenheit und Langsamkeit – zu vereinen, hilft nichts. Besser ist es, die positiven Seiten beider Gefühle zu vereinen: den Antrieb, etwas zu tun – wie als Motivation zu nutzen, Unzufriedenheit wirkt manchmal so – und das Glück, das von der anderen Seite kommt. Wenn man also glücklich und aktiv, positiv und aktiv ist, ist das meiner Meinung nach natürlich eine viel bessere Kombination.
Doch dann gibt es ein Problem. Ich sehe einen sehr aktiven Devotee und halte ihn für einen sehr hingebungsvollen Menschen. Aber vielleicht ist es nur das Raja-Guna, das auf ihn einwirkt – er ist aktiv, aber nicht selbstlos hingebungsvoll. Manchmal sieht man einen sehr langsamen Bhakta – ich würde nicht faul sagen, besser wäre es, suboptimal motiviert – und denkt: „Oh, dieser Typ ist von Tama-Guna besessen.“ Aber vielleicht erlebt er gerade die höchste Ekstase reiner Hingabe. Urteilt also nicht nach Äußerlichkeiten. Folgt dem Beispiel von Madhavendra Puri – als er aufgrund der Dinge um ihn herum verstand: „Oh, Moment mal. Die Leute werden mich als großen Vaishnava respektieren.“ Ich verstecke mich lieber und laufe weg.’
Genauso hörten alle Anhänger der Lektion aufmerksam zu. Und sie verstanden, sie hatten gelernt, dass etwas Langsamkeit Ekstase, hohe Ekstase bedeutet. Lauft lieber weg von diesem Ruhm, der euch angreift. Setzt euch nicht der Gefahr aus, dass die Leute aufgrund eurer Faulheit denken, dass ihr in hoher Ekstase seid. Seid aktiv. Versteckt euch hinter Hingabe und Dienst. Dann seid ihr sicher davor, als tief meditierender, hochekstatischer Vaishnava angesehen zu werden.
Ich denke, ihr versteht, was ich meine – urteile nicht nach Äußerlichkeiten. Und ja, kultiviere beide Gefühle: seid zufrieden mit eurer Linie und nutzt Unzufriedenheit als Motivation, um euer hingebungsvolles Leben zu verbessern. Vergisst nicht, eine Hauptübung im Yoga ist die Praxis der Zufriedenheit.
(Fortgesetzt follgt)
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