Sharanagati

Collected words from talks of Swami Tirtha




(aus einem Vortrag von Swami Tirtha, 03.01.2018 vormittags, Sofia)

(Fortsetzung vom vorherigen Freitag)

Mein bescheidener Vorschlag ist also, etwas über die göttlichen Beziehungen von  Shrila Rupa Goswami zu lesen . Um eine Studie durchzuführen, müssen wir am Anfang beginnen. Wirsind bereit, voreilige Schlussfolgerungen zu ziehen, aber dennoch müssen wir am Anfang beginnen.Deshalb werden wir heute über die neutrale Liebe Gottes lesen. Gefallen euch die neutralen Beziehungen, eurer Erfahrung nach?
Krishna Piya: Nicht so sehr.
Swami Tirtha: Ja, wenn jemand neutral ist, kann man nichts damit anfangen, oder? Da  gibt es nicht so viel Austausch. Und in gewisser Hinsicht können wir sagen, dass dies äußerst bitter ist. Wenn ich eine positive Beziehung zu jemandem habe , das macht mich glücklich. Aber wir haben schon oft darüber gesprochen, selbst für einen guten Streit brauchen wir einen guten Partner. Einen Konflikt zu haben – das ist eine intime Beziehung. Doch, wirklich! Mit einer wirklich neutralen Person hat man doch keine Konflikte, oder? Das ist wahr. Dann ist also ein Streit auch eine Art Beziehung. Sogar ein Feind ist ein Freund. Passt auf, dass eure Freunde nicht zu Feinde werden, aber behandelt eure Feinde wie einen Freund. Einen echten Feind zu haben, ist ein Geschenk Gottes. Aber wirklich, ich meine es, einen guten Gesprächspartner zu haben, einen mit dem man eine gute Debatte durchführen kann – das ist ein Geschenk. Denn das wird etwas aus euch herausholen – einige Überlegungen, einige Antworten, einige Reaktionen. Es proviziert dich so sehr, dass du etwas zeigen kannst.
Daraus können wir schließen, dass die neutrale Beziehung nicht so viel mitsich bringt. Dennoch beginnt die Wissenschaft der göttlichen Beziehungen mit der neutralen Beziehung zu Gottheit. Warum? Denn auf der göttlichen Plattform hat sogar Neutralität eine gewisse Bedeutung. Es hat auch ein Ort. Neutrale Beziehungen können wir im täglichen Leben nicht wirklich bewältigen, wohl aber im göttlichen Beziehungen haben sie einen Platz.
„Shrila Rupa Goswami richtet seine respektvollen Gebete an den ewigen Höchsten Persönlichkeit Gottes, der immer so schön ist und für den die reinen Anhänger sind immer im liebevollen transzendentalen Dienst engagiert. Diese dritte Abteilung von Bhakti-rasamrita-Sindhu beschreibt die fünf Hauptarten des hingebungsvollen Dienstes – nämlich Neutralität, Knechtschaft, Brüderlichkeit, Elternschaft und eheliche Liebe. Diese fünf Punkte werden sehr ausführlich hier erklärt, und daher we rden sie bildlich als die fünf Wellen auf der Westseite des Nektar-Ozeans der Hingabe beschrieben. Wenn man tatsächlich in der Lage ist, das Transzendente aufrechtzuerhalten, wird der Stufe  der Neutralität im hingebungsvollen Dienst genannt.„ [1]
Hier haben wir also die Definition: „Jemand, der tatsächlich in der Lage ist, seine oder ihre transzendentale Position im hingebungsvollen Dienst aufrechtzuerhalten– diese Stufe wird Neutralität genannt.“ Haben Sie irgendwelche Fragen? Ich denke, jetzt haben wir eine Hausaufgabe: Wir müssen auf dieses sehr hohe Niveau aufsteigen, um in der Lage zu sein unser spirituelles Bewusstsein aufrechtzuerhalten. Also, wenn ihr in einer sehr mutigen und kühnen Stimmung seid sagt ihr: „Ah, Neutralität ist nichts, sie ist Null“, dann denkt  bitte zunächst einen Moment nach. Ob wir unsere spirituelle Position, unser spirituelles Bewusstsein beibehalten können, oder nicht? Bedauerlicherweise oft nicht. Das bedeutet, dass wir uns nicht auf der neutralen Ebene des hingebungsvollen Dienstes befinden. Dann was ist unsere Bühne? Eheliche Liebe oder höchste Ekstasen? Wir liegen höchstwahrscheinlich unter diesem Niveau Neutralität.
Aber was liegt unterhalb der Neutralität? Atheismus; ist das unser Niveau? Hoffentlich nicht. Vielleicht ein bisschen höher, wir leugnen nicht, dass es einen höchsten Herrn gibt. Dann sind wir vielleicht Adharmacharen? Adharmachari ist eine Person, die den Prinzipien des Dharma nicht folgt. Nun, ich denke, das ist es uns. Oft können wir den Prinzipien des Dharma nicht folgen, oder? Vielleicht sind wir es also Adharmacharien. Oder wenn wir uns dazu zwingen, uns zu beherrschen und unserem Sadhana zu folgen, vielleicht können wir die Standards verbessern und vielleicht können wir Dharmacharis – Anhänger des Dharma– werden. Aber unter Tausenden von Dharmacharen sind nur sehr wenige erleuchtet, vollendet. Spirituelle Vollkommenheit und Emanzipation, Befreiung ist sehr selten.
Ich weiß nicht, ob man sich befreit fühlt oder nicht, aber das kommt selten vor. Und unter den vielen Befreiten Seelen, nur sehr wenige sind emotional mit Krishna verbunden. Da beginnt die Neutralität. Zumindest diese Seelen können ihr spirituelles Identitätsbewusstsein bewahren.
Und die Acharias beschreiben sehr schön, wie diese fortschreitenden Stadien ablaufen. Zuerst hören wir die Informationen über ein angemessenes Leben, können aber nicht folgen. Dann manchmal passiert ist: „Heute konnte ich etwas erreichen, ich konnte etwas tun.“ Heute begrüßte ich den Sonnenaufgang. Heute habe ich Tagsüber nicht geschlafen.‘ Tolle Erfolge. „Heute war ich nicht gewalttätig, nur ein kleines bisschen. Das bedeutet, dass ihr etwas erreichen konntet; Oft vergisst ihr es, aber Manchmal gelingt es euch, euch zu erinnern. Und dann bedeutet die nächste Stufe, dass ihr es tut. Nun ja, aber manchmal scheitert man. In den meisten Fällen habt ihr einen guten Standard, aber Manchmal passieren Fehler, euer Schatten bedeckt euch wieder, die alten Gewohnheiten kehren zurück. Sie rufen: ob du die alten Freunde nett behandelst oder nicht. Und dann verschwindet dies auf der nächsten Stufe und Letztendlich wird der hingebungsvolle Dienst als unwiderrufliche Tatsache im Herzen verankert.
Aber ihr wisst, ob ihr auf der scheiternden Plattform oder auf der Plattform wo ihr meistens gut  steht, oder auf der vollendeten Plattform, auf der anderen Seite – jeder ist ein Fan von dir. Jemand wartet auf dich. Als wir zum ersten Mal von der Chance auf Perfektion hörten, gab es ein großes Fest im spirituellen Himmel. Als du die ersten Schritte in deinem spirituellen Bereich gemacht hast, alle Halbgötter sprangen. Als du zum ersten Mal gescheitert bist, war es Krishna der lächelte. Und als ihr eure ersten Erfolge erzieltet, lächelte Er noch mehr, charmanter. Macht euch also keine Sorgen. Zögert nicht, eure ersten Schritte zu unternehmen. Gott ist gut. Und ihr solltet auch gut werden! Sein Job ist erfüllt. Jetzt kommt euer Teil.

1. Nektar der Hingabe, 35



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