

Sharanagati
Collected words from talks of Swami Tirtha
Apr
9
(Aus einem Vortrag von Swami Tirtha, 06.01.2019 abends, Sofia)
(Fortsetzung vom vorherigen Freitag)
Frage von Yadunath: Gurudev, wenn uns ein normaler Mensch fragt: „Wie geht es dir? Was gibt es Neues?“, antworten wir meist ganz normal – etwas skeptisch: dass es uns einigermaßen gut geht und erzählen von unseren Erfolgen. Aber wenn uns der spirituelle Meister fragt: „Wie geht es dir? Was gibt es Neues?“, was ist dann die bedeutende Errungenschaft, die es wert ist, mit ihm geteilt zu werden? Und welche Sorgen sind es wert, mit ihm geteilt zu werden, ohne seine Zeit zu verschwenden? Was ist also ein wahrer Erfolg und was ein wahres Versagen vor einem spirituellen Meister?
Swami Tirtha: Nun, wenn mein spiritueller Meister mich fragte: „Wie geht es dir?“, sagte ich gewöhnlich: „Immer noch in der Illusion.“ „Ich weiß“, sagte er, „aber ich möchte wissen, was du erreicht hast.“ Auf diese Art und Weise, stellen uns manchmal unsere Meister knifflige Fragen. Aber im Allgemeinen kann man sagen, dass wir uns qualifizieren müssen, um eine angemessene Antwort geben zu können. Es heißt, wenn Gott den Tempel der Seelen bauen will , rennen die Menschen los und bringen Ziegel und Sand. Wir befinden uns auf einer anderen Bewusstseinsebene, mit einem anderen Verständnis. Was ich als Erfolg empfinde, lässt meinen Meister weinen: „Das ist dein Versagen, mein Lieber!“ Und was ich nicht zu teilen wage, weil ich mich schäme, es nicht erreicht zu haben, freut ihn sehr. Denn wir werden einer Prüfung unterzogen, und durch das Scheitern können wir vorankommen. Scheitern ist die Säule des Erfolgs. Hier haben wir eine schöne Säule. Ohne diese Säule gäbe es diese Halle nicht. Und in Südindien gibt es einen Tempel mit einem sehr berühmten Teil – der „Halle der tausend Säulen“ genannt wird. Aber bitte, meine lieben Brüder und Schwestern, baut euch keine eigenen Hallen mit tausend Säulen, denn Scheitern ist die Säule des Erfolgs.
Um eine angemessene Antwort zu geben, müssen wir uns in die Stimmung des Meisters hineinversetzen. Wir müssen ein ähnliches Verständnisniveau erreichen. Materielle Errungenschaften bedeuten im spirituellen Sinne nicht allzu viel. Und wir müssen uns nicht durch Zahlen beweisen. Es gibt eine subtile Qualität, die in spirituellen Angelegenheiten wichtig ist, aber diejenigen die ein Feingefühl entwickelt haben, werden diese feine Qualität erkennen.
Einst fragte Shrila Shridhara Maharaj seine Schüler: „Was ist Intelligenz? Wie könnt ihr erkennen, wer intelligent ist und wer nicht?“ Die Schüler konnten keine passende Antwort geben. Doch dann sagte der Meister: „Wenn ihr intelligent seid, werdet ihr sofort erkennen, wer intelligent ist.“ Wenn ihr diese feine spirituelle Qualität des wahren Erfolgs besitzt, werdet ihr sofort verstehen, wer erfolgreich ist oder was Erfolg ist.
Es wird uns zwar empfohlen, uns vor unserem spirituellen Meister wie ein Narr zu fühlen, doch es heißt: Verhalte dich nicht wie ein Narr. Sei vernünftig. Denn sonst könnte dein Meister enttäuscht oder wütend auf dich sein. Obwohl wir normalerweise von einem Sadhu erwarten, dass er stets friedvoll ist, gibt es in den Veden für den Fall seines Zorns einen Schutzratschlag für die Schüler: Entferne dich aus der Reichweite von Geräuschen und halte Abstand.
Seht ihr, spirituelles Leben ist keine Theorie. Es ist lebendig. Und wenn ihr von euren Sadhus erwartet, dass sie euch keine Rückmeldung geben, dann solltet ihr besser mit einem Stein Umtausch haben. Ein Guru ist jemand, der unsere Dunkelheit vertreiben wird – mit allen Mitteln, die ihm zur Verfügung stehen. Genau wie Krishna. Krishna hat zwei Instrumente. Er ist berühmt für seine Flöte, die einen sehr bezaubernden Klang hat. Und unser Krishna besitzt viele verschiedene Flöten. Eine ist aus Bambus, die andere aus Gold. Und eine ganz besondere ist aus Marmor; eine andere ist mit Edelsteinen verziert. So haben all diese verschiedenen Flöten Krishnas unterschiedliche Namen, Klangfarben und Töne, aber alle bezaubern. Dies ist Krishnas bezauberndes Instrument. Er hütet die Kühe mit seinem wunderschönen Klang. Und auch das Gayatri-Mantra ist der Klang von Krishnas Flöte. Wann immer du also deine Gayatri rezitierst, kannst du dich daran erinnern: „Oh, dies ist eine Einladung vom Höchsten.“ Und die Kühe sind bereit, Krishnas Flöten zu folgen.
Aber Krishna hat noch ein anderes Instrument, und zwar einen Stock. Denn ich bin sicher, die meisten von euch waren schon einmal in Indien und wissen, dass die Kuh dort heilig ist, aber alle Händler auf dem Markt haben auch einen Stock. Denn wenn die Kühe kommen, um ihr Obst und Gemüse zu probieren, benutzen sie den Stock. Genauso hat Gott, Krishna, eine Flöte, um euch zu bezaubern, und einen Stock, um euch zu vertreiben. Er wird beide Instrumente benutzen, um uns zu unterweisen – aber nur zu unserem spirituellen Wohl.
(Fortsetzung folgt)
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