

Sharanagati
Collected words from talks of Swami Tirtha
(Aus einem Vortrag von Swami Tirtha, 15.08.2018, Ludasto)
(Fortsetzung vom letzten Freitag)
Wir müssen den eigentlichen Grund, den Sinn unseres Lebens finden. Was ist der Faktor, der unser Leben legitimiert? Habt ihr schon einmal darüber nachgedacht? Gebt mir ein paar Ideen. Was bezeichnen Menschen üblicherweise als Sinn, als Grund ihres Lebens?
Antwort: Familie, Kinder.
Ramvijay: Param-Dharma, die höchste spirituelle Pflicht.
Swami Tirtha: Manchmal leben Menschen für ihre Ambitionen, für ihre Ziele. „Ich habe ein Ziel, deshalb lebe ich. Ich habe eine Arbeit, ich lebe für meine Arbeit.“ Aber wenn die Arbeit erledigt ist, sterben sie praktisch oder halb. Wenn wir also nur ein begrenzte Vortsellung für den Sinn unseres Lebens haben, reicht das nicht aus. Manchmal denkt jemand vielleicht: „Ich bin sehr gut in Debatten – das ist der Sinn meines Lebens. Das macht mich so stark. Ich kenne die Wahrheit.“ Manchmal ist es die Inspiration: „Ah, ich liebe diese Person! Sie oder er ist der Sinn meines Lebens.“ Aber was passiert, wenn diese Person aus deinem Leben verschwindet? Was passiert, wenn sie jemand anderen liebt, nicht euch? Dann ist euer Leben verloren, der Sinn eures Lebens. Die Intelligenteren sagen: „Ich lebe für Inspiration.“ Lange Zeit habe ich das nicht verstanden. Aber dann, ganz langsam, habe ich es verstanden: Inspiration, die Quelle der Inspiration – das ist etwas sehr Mächtiges. Wenn ihr noch kultivierter seid, werdet ihr sagen: „Mein Lebenssinn ist nicht die Liebe zu einem Menschen. Mein Sinn ist es, Liebe zu schätzen. Ich lebe für die Liebe.“
Aber versteht ihr die Bedeutung dieser Frage? Was erfüllt unser Leben? Deshalb wollen wir uns immer beweisen: „Ich habe dies erreicht, ich habe das.“ So oft veräußerlichen wir den Sinn unseres Lebens. Doch das ist ein sehr schwaches, begrenztes, sehr materielles Konzept. Wenn ihr den Sinn eures Lebens an etwas Begrenztes knüpfst, wird euer Leben begrenzt sein. Entferne das Objekt, und auch euer Leben verschwindet. Denn ihr wart an diesem Objekt gebunden.
Deshalb müssen wir suchen. Nach der Quelle suchen – woher wir kommen. Denn wenn wir aus dem Nichts kommen, kehren wir ins Nichts zurück. Dann wird praktisch nichts unsere Existenz einen Sinn geben. Ich weiß nicht, ob das für euch befriedigend ist, für mich ist es nicht wirklich befriedigend. Deshalb können wir sagen: Wenn ihr die Existenz Gottes leugnet, leugnet ihr damit auch eure eigene Existenz.
Die letztendliche Tatsache, die unser Leben legitimiert, ist die Existenz selbst. Versucht bitte, den Unterschied zwischen Leben und Existenz zu erkennen. Leben ist eine Manifestation, und Existenz ist ein Prinzip. Wenn ihr also einen höheren und gereinigten Bewusstseinszustand erreicht, müsst ihr euch nicht beweisen, ihr müsst keine externe Legitimation für euer Leben finden. Denn letztlich ist der göttliche Ursprung die legitimierende Kraft unseres Lebens, unserer Existenz. Unser Körper trägt den Stempel der Vergänglichkeit, des Todes. Doch unsere Seele trägt den Stempel des ewigen Lebens, der ewigen Verbundenheit.
Nach einiger Zeit braucht man sich also nicht mehr zu beweisen. Ich denke, all die verschiedenen Kämpfe, Konflikte und dergleichen – diese Art von egoistischen Interessen – entstehen im Grunde aus dem Mangel an endgültiger Identifikation. Man fühlt sich nicht legitim und will sich deshalb beweisen. Doch was sehen wir am Beispiel unserer Heiligen? Wenn der Haupt-Pujari, eine sehr angesehene Position, Madhavendra Puri trifft, einen mittellosen Bettler auf der Straße, ist er sofort bereit, seine Dandavats anzubieten.
Es gibt eine Geschichte aus Ungarn, in unserer Zeit. Am Morgen hatten einige Anhänger eine kleine Auseinandersetzung. Und was passierte dann am Nachmittag? Sie hatten einen Wettkampf. Zweifellos war der Kampf eine Art materieller Auseinandersetzung. Aber was war der Wettkampf? Einer ging auf den anderen zu und sagte: „Prabhuji, bitte entschuldige. Ich habe mich geirrt.“ Da sagte der andere: „Nein, nein, nein. Bitte entschuldige, ich war sehr hart.“ Und sie begannen einen Wettstreit im Darbringen von Dandavats – wer dem anderen einen vollständigeren Dandavat darbietet. Seht ihr, das ist der einzige Wettstreit, den ihr mit euren Brüdern und Schwestern austragen könnt – wer dem anderen einen vollständigeren Dandavat darbietet.
Was legitimiert letztendlich unser Leben, was gibt unserem Leben Sinn? Auf die Frage „Warum leben wir?“ lautet die Antwort: aufgrund der ewigen Quelle. Auf die Frage „Wozu leben wir?“ lautet die Antwort: um Vollkommenheit zu erreichen. Und auf die dritte Frage „Wie lebt man richtig?“ lautet die Antwort: Lebe als Anhänger – diene deinem eigenen spirituellen Nutzen, sei anderen nützlich und lebe zur Ehre Gottes.
Aber nun kommt eine andere Frage – entschuldigt mich, dass ich eure Zeit und Aufmerksamkeit so lange in Anspruch genommen habe …„Was wird meinem Leben Rechtmäßigkeit verleihen?“ Ich bin ein Bettler. Na gut, manchmal bekomme ich auch süßen Reis, aber ich bin ein Bettler. Und ich habe meinen Meister in seiner physischen Gestalt verloren, daher ist der Sinn meines Lebens verloren. Aber ich fühle mich gesegnet, dass Krishna einige Retter gesendet hat. Und wenn ihr mir die Möglichkeit gebt, euch zu dienen, dann spüre ich, dass dieses Leben, diese Existenz einen Sinn hat.
Manchmal erleben wir Niederlagen. Man kann eine Schlacht verlieren, aber man sollte nicht den Krieg verlieren. Ich hoffe, dass dies meinem Leben keinen äußeren Sinn gibt. Aber bitte findet auch ihr für euch selbst diese Quelle, die euer Leben Sinn verleiht. Halten euch an eure Prinzipien, an eure Ideale. Dann kann euch nichts frustrieren, nichts kann euch schaden.
Ramvijay: Gurudev, was Sie sagen, ist wie ein Fenster zu einer anderen Welt …
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