Sharanagati

Collected words from talks of Swami Tirtha




(Aus einem Vortrag von Swami Tirtha, 09.01.2019, morgens, Sofia)

(Fortsetzung vom vorherigen Freitag)

Das Herz wird oft mit einer Lotusblume verglichen. Und normalerweise erwarten wir von einer Lotusblume Reinheit, nicht wahr? Der Lotus ist ein Symbol der Reinheit. Er ist auch ein Symbol göttlicher Kräfte und der Schöpfung. Wenn die Blütenblätter der Lotusblume geöffnet sind, repräsentiert dies die manifestierte Form der Schöpfung, Vyakta. Und wenn sie geschlossen sind, wie eine Knospe, dann ist dies der Avyakta- Zustand des Universums, der Unmanifistierte. Daher ist es ein sehr wichtiges Symbol. Deshalb liegt es in den Händen von Lord Vishnu – denn er hält den Schlüssel zur Schöpfung in Form einer Lotusblume.
Es gibt viele verschiedene Wörter im Sanskrit für „Lotus“. Dieses wunderschöne Symbol hat auch verschiedene biologische Eigenschaften. Eine Lotusart blüht um Mitternacht im Mondschein, die andere tagsüber im Sonnenschein. All diese Eigenschaften helfen uns, dieses universelle Symbol zu verstehen.
Oft wird es verwendet, um die Stellung eines Schülers zu beschreiben. Wir kennen diese Beschreibung sehr gut: Krishna ist die Sonne, der Anhänger die Lotusblume und der Guru das Wasser, das sie umgibt. Ohne Wasser würde die Blume in der sengenden Hitze der Sonne vollkommen vertrocknen. Daher sollte ein Schüler rein sein, sehr rein. Es zeigt auch, dass er wie die Schöpfung in ihrer höchsten Form ist. Aus einer Lotusknospe kann die schönste Blume entstehen; ebenso kann aus einem reinen Herzen ein reiner Anhänger heranwachsen. So kann man sein spirituelles Bewusstsein entwickeln. Und mit diesem kosmischen Symbol, der Lotusblume, segnet Vishnu seine Anhänger. Daher können wir auch sagen, dass die gesamte Schöpfung ein Segen für alle Wesen ist.
Einige Sanskrit-Wörter beschreiben den Ursprung der Lotusblume. Eines davon ist apja. Ap bedeutet „Wasser“, -ja bedeutet „Geburt“; der Geburtsort der Lotusblume ist also das Wasser. Oder pankaja, panka bedeutet „Schlamm“, geboren aus Schlamm. Dies ist auch wie ein Schüler – geboren aus dem Schlamm der Illusionen, aber erblühend im göttlichen Licht der Radha-Govinda-Lila. Andere Namen sind poetischer. Zum Beispiel bedeutet kairava der weiße Lotus, der bei Vollmond erblüht. Kumuda, dies ist die weiße Seerose, die bei Mondaufgang erblüht. Aravinda ist ein anderer Name für die Lotusblume und steht in Verbindung mit Kamadeva, denn dies ist einer seiner Pfeile. Und ihr wisst, wenn Kamadeva das Herz mit seinen Pfeilen trifft, dann kann niemand widerstehen. Pushkara, ein weiterer Name für einen Lotus – dies ist der blaue Lotus. Aber im Allgemeinen sagt man padma; oder manchmal auch kamala. Padma bedeutet auch eine sehr große Zahl – zehn am zwölften.
Gut. Gibt es hier auch Yogis? Sagt mir, wo ist der Lotus im Yoga?
Vedavid: Sahasrara-Chakra.
Swami Tirtha: Oh, sehr gut. Das ist ein Lotus, wo noch? Padmasana – die Lotusposition. Sie ist auch sehr interessant, denn so bildet der Körper ein Dreieck – und bietet damit alle Potenziale für spirituelle Erhebung. Was geschah, als Buddha die Erleuchtung erlangte? Er erhob sich aus seiner Meditationshaltung, begann zu gehen, und in seinen Schritten sprossen Lotusblumen aus der trockenen Erde. Daran kann man erkennen, ob man die Erleuchtung erlangt hat. Wenn die Lotusblumen erscheinen, ist etwas geschehen; wenn nicht, dann heißt es: „Jetzt arbeiten, später Samadhi“[1].
Und wie ihr vor kurzem erwähnt habt, wird auch das Kronenchakra mit einer Lotusblume verglichen. Praktisch alle anderen Chakren werden mit einem Lotus verglichen, doch dieses ist das wichtigste – die Ebene des erleuchteten Bewusstseins. Wiederum tausend Blütenblätter; man muss sie nicht zählen, denn tausend bedeuten sehr viel, in voller Blüte.

(Fortsetzung folgt)

1. Ein berühmtes Zitat von Srila Prabhupada



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