Sharanagati

Collected words from talks of Swami Tirtha




(Aus einem Vortrag von Swami Tirtha, 04.01.2019 abends, Sofia)

(Fortsetzung vom vorherigen Freitag)

Frage von Krishna Priya: Sie erwähnten, dass wir gegenüber Geisteskranken nicht demütig sein sollten. Es gibt Situationen, in denen Freundlichkeit und Nachsicht kontraproduktiv sind und man strenger sein muss. Könnten Sie bitte etwas mehr dazu sagen? Ist das richtig?

Swami Tirtha: Nun, wir sollten stets innere Demut bewahren. Denn wir sollten immer die Seele, den Menschen, den Paramatma respektieren. Wir müssen den Menschen so annehmen, wie er ist. Aber das bedeutet nicht, dass man ihm oder ihr zustimmen muss, insbesondere nicht bei schlechtem Verhalten. Es heißt, wenn jemand nicht schwimmen kann und im Wasser ertrinkt, und man ihm zu Hilfe schwimmt, könnte er einen mit nach unten ziehen. Deshalb wird denen, die Menschen in solchen Gefahrensituationen retten wollen, empfohlen, ihnen zuerst einen Schlag auf den Kopf zu geben. Sie bewusstlos zu schlagen. Denn so blockiert man ihren Widerstand und kann sie retten. Ich sehe, ihr  lächelt. Gut, ich habe das nicht überprüft. Es ist eine Theorie, das gebe ich zu. Aber es heißt, es sei so: Zuerst den Widerstand blockieren, koste es, was es wolle, wenn es um Leben und Tod geht, und dann retten. Wie können wir das natürlich anwenden, zum Beispiel beim Predigen – wenn sich jemand unserer liebevollen Hilfe widersetzt, schlagen wir ihn dann bewusstlos, um ihn zu retten? Nein, natürlich nicht so. Aber wir sollten immer versuchen, diese innere Demut zu bewahren, die die Seele, die spirituelle Identität des anderen respektiert.

Und versucht, ein so reiner, demütiger, anziehender und aufrichtiger Mensch zu sein, dass jeder, der dir begegnet, deinem Beispiel folgen möchte. Denn wahre Demut ist eine sehr starke Kraft. Sie ist nichts, was man missbrauchen kann, sondern eine sehr mächtige Eigenschaft. So sehr, dass niemand einen wirklich demütigen Menschen angreifen oder verletzen kann.

Stellt euch vor das ihr einen Vortrag haltet. Das heißt, ihr steht vorne, im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit der Zuhörer. Ihr versucht, die Schönheit des hingebungsvollen Lebens und die Werte spiritueller Praxis zu beschreiben, und dann, nach 15 Minuten, steht jemand im Publikum auf, zeigt mit dem Finger auf euch und sagt: „Du bist kein Vaishnava! Du bist ein Dämon!“ Stellt euch das mal vor. Ein bisschen überraschend, nicht wahr? Nur ein bisschen. Ich denke, dann wird eure Fähigkeit, Vorträge zu halten,  infrage gestellt. Wie geht man mit unerwarteten Situationen und Kommentaren um? „Du bist kein Vaishnava! Du bist ein Dämon!“ Was kann man da schon tun? Es ist doch offensichtlich, dass diese Person nicht qualifiziert ist, irgendwelche Bemerkungen abzugeben. Natürlich kann man seine Bescheidenheit bewahren, nicht wahr? Ihr seid ja nicht beleidigt.

Genau das meine ich: Menschen zu akzeptieren und Dummheit zuzustimmen, ist nicht dasselbe. Wir respektieren immer den Menschen, wir respektieren immer die Seele, aber ihr dürft eine spirituelle Meinung haben, die auf den Shastras und den Lehren basiert. Unsere Pflicht ist es jedoch, unsere Tradition so freundlich und authentisch zu vertreten, dass die Menschen sie verstehen, annehmen und sich inspiriert fühlen, ihr Leben zu verbessern. Ich denke, das ist wahre Bescheidenheit – wenn man versucht, dem anderen zum spirituellen Wohl zu verhelfen. Und manchmal bedeutet das auch, schlechte Gewohnheiten abzulegen, kritisches Verhalten zu unterlassen usw. Alles nur zum Wohl des anderen. Gut. Soviel zum Thema Bescheidenheit.



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